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Anna Maria Schwegelin

Das Urteil wurde nie vollzogen – sie starb 6 Jahre nach ihrer Verurteilung im Kerker

Letztes Opfer der Hexenprozesse in Deutschland


Die Dienstmagd Anna Maria Schwegelin war das letzte Opfer der Hexenverfolgung in Deutschland, das Urteil wurde jedoch niemals vollstreckt. Die letzte Person, die in Deutschland tatsächlich als Hexe hingerichtet wurde, war die 15-jährige Vollwaise Veronika Zeritsch. Anna Maria Schwegelin starb 6 Jahre nach ihrer Verurteilung im Kerker des Fürststifts Kempten.

anna Maria Schwegelin

⛤ 07.02.1781, Deutschland
Höchste kirchliche Autorität: Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein
Höchste regionale kirchliche Autorität: Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein
Höchste weltliche Autorität: Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein
Höchste regionale weltliche Autorität: Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein
Weitere Beteiligte:
Landrichter Johann Franz Wilhelm Treuchtlinger
Franziskanerpater Anton Kramer
Hofkaplan Dominikus von Brentano

Anna Maria Schwegelin aus dem Fürststift Kempten wurde im Jahr 1775 im Alter von 46 Jahren zum Tode verurteilt und starb 1781 im Alter von 52 Jahren im Kerker.

Die katholisch getaufte Anna Maria verliebte sich in einen evangelischen Kutscher, der ihr die Ehe unter der Bedingung versprach, dass sie zum lutherischen Glauben übertrete. Doch der Kutscher hielt sein Versprechen nicht. Anna Maria litt zudem an einem Beinleiden und hinkte. In der damaligen Zeit galten körperliche Auffälligkeiten wie ein Hinken oft als Zeichen teuflischer Einflussnahme oder Besessenheit. Diese Umstände stürzten Anna Maria in tiefe Verzweiflung, bis sie schließlich selbst glaubte, vom Teufel besessen zu sein. Anna gestand ohne Anwendung von Folter.

Anna machte sich schwere Vorwürfe und verlor sich zunehmend in ihrer eigenen Lebensgeschichte. Im 18. Jahrhundert war ein Übertritt vom katholischen zum lutherischen Glauben in katholisch geprägten Gebieten wie dem Fürststift Kempten mit erheblichen Konsequenzen verbunden. Die römisch-katholische Kirche betrachtete einen solchen Schritt als schweren Abfall vom Glauben, was zu gesellschaftlicher Ächtung und Isolation führte.

Für Frauen war das besonders gravierend, da sie meist keine unabhängige wirtschaftliche Grundlage hatten. Der soziale Druck war entsprechend hoch, Reue zu zeigen oder sich wieder zur katholischen Kirche zu bekennen – tat man das nicht, drohte eine Anklage wegen Ketzerei oder Hexerei, vor allem dann, wenn zusätzlich auffälliges Verhalten oder gesellschaftliche Außenseiterrollen dazukamen. Das war bei Anna der Fall. Zwar bemühte sie sich, die Konversion rückgängig zu machen, jedoch war es da schon zu spät.

Der Druck von außen lastete schwer auf Anna. Die ständige Verurteilung durch ihre Umgebung und die Last ihrer inneren Schuld ließen sie kaum zur Ruhe kommen. Immer häufiger fiel es ihr schwer, ihren täglichen Pflichten nachzukommen. Ihre Arbeitskraft galt als unzuverlässig, und so musste sie einen Dienstplatz nach dem anderen verlassen. Schließlich fand sie Aufnahme im Armenhaus von Langenegg – ein letzter Zufluchtsort für viele Gescheiterte. Doch auch dort konnte sie den Erwartungen nicht gerecht werden. Ihre Schwäche wurde mit Härte beantwortet. Die Unteraufseherin, eine grobe Kuhmagd, schlug sie regelmäßig und bestrafte sie mit Essensentzug, sobald Anna nicht genügte.

Annas Todesurteil sollte am 11. April 1775 vollstreckt werden. Doch Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein, ein Befürworter der Aufklärung, ordnete überraschend einen Aufschub der Hinrichtung sowie die Wiederaufnahme der Ermittlungen an, nachdem der Fall überregionales Aufsehen und Proteste erregt hatte. Danach geriet Anna Maria Schwegelin in Vergessenheit – ihr Fall wurde nie wieder aufgegriffen, und sie blieb bis zu ihrem Tod im Kerker.

Ebenso sprach Philon Hebräus von solchen Dingen, wenn er sagt: Magie existiert, und sie ist schädlich. Die Unwissenden glauben, dass es nicht möglich sei: Die Atheisten und jene, die sich für besonders aufgeklärt halten, bekennen sich zu solchem Irrglauben, weil sie die Ursache nicht kennen und nicht dumm erscheinen wollen. Die Zauberer machen sich nicht ohne Grund über solche Leute lustig. Der eine glaubt nicht, dass es sie gibt; der andere versucht auf diese Weise, das Reich Satans zu fördern.
Jean Bodin, De la démonomanie des sorciers (Vom Wahnsinn der Hexen), 1580

Literatur zu Anna Maria Schwegelin:
Anna Maria Schwegelin – Institut für Frauen-Biographieforschung Hannover/Boston