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Samhain / Samoniusfest

Die Nacht der Wiederkehr

Ja, soll ich nicht schmecken von der Erde,
Da ich’s der Tote bin?
Ist heute schon das siebente Jahr,
Daß ich begraben bin.

Weck’ auf den Vater und die Mutter,
Weck’ auf die Schwester und den Bruder,
Weck’ auf die Leute im Haus,
Der Bräutigam ist schon heraus.

Volksgedicht in einer österreichischen Überlieferung[7]

Bei den Kelten, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands und Österreichs lebten, endete das Jahr mit dem letzten Tag im Oktober – mit Samhain. Es handelte sich bei Samhain also um das keltische Neujahrsfest. Der keltische Kalender war zwar anders aufgebaut, doch lässt sich das Fest heute ungefähr auf den 31. Oktober datieren. Bei dem Fest standen unterschiedliche Gegensätze im Vordergrund – zwischen Leben und Tod, zwischen Ordnung und Chaos. Samhain markierte den Abschied von der lichten Jahreszeit. Statt wie sonst die „helle Welt“ zu betonen, stellte man an Samhain bewusst den „dunklen“ Aspekt in den Vordergrund. Auf diese Weise bereitet man sich auf die bevorstehende dunkle Periode des Jahres vor – den Winter. Solche Phasen finden wir in vielen traditionellen Kulturen, wie z.B. bei den römischen Saturnalien, im Karneval oder in Österreich zum Krampus.

„Schöpfung entsteht durch die Verschmelzung der Gegensätze. Nichts auf der Welt existiert ohne seinen Gegensatz. Nur, wenn der Gegenpol gefunden und integriert wird, kann Schöpfung entstehen.“

Das hermetische Gesetz der Gegensätze[2]

Samhain war auch die Zeit der Unruhestimmung, in der man glaubte, dass sich das Portal zur Anderswelt öffne, sodass die Toten zurückkehren konnten. Man nahm auch an, dass in der Portalnacht Lebende in die Anderswelt eintreten könnten. Diese Sichtweise wurde von einer uralten Erzählung gespeist:

Oweynagat: Die „Höhle der Katzen“ – der Geburtsort von Samhain

Die Idee einer Anderswelt ist im keltischen Kulturraum allgemein vorhanden – auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands oder Österreichs. Und Höhlen wurden in allen keltischen Regionen als heilige Orte und Übergangsorte zur Anderswelt verstanden. In der Vorstellungswelt der Kelten galten sie als Schwellen zum „Drüben“, und durch sie konnte man mit den unterweltlichen Wesenheiten und mit den Ahnen in Kontakt treten.

In der Hallstattzeit galt die Höhle als Stätte von Ahnenkult und Totenritual. Zu diesen Höhlen zählte zum Beispiel die Býčí skála-Höhle (der „Stierfelsen“) in Tschechien, in der menschliche Skelette, Beigaben und zwei große Feuerstellen gefunden wurden. Auch auf dem Gebiet von Hallstatt (Salzkammergut, Oberösterreich) sind Höhlen in der Umgebung als rituelle Orte ausgemacht worden: Beim Fundplatz Malleiten bei Bad Fischau nahe Wien gab es keltische Kultstätten in den umgebenden Höhlen – genannt werden u. a. die Höhlen “Hofmannshöhle”, “Steinerner Stadel” oder “Zwerglloch”.[3] 

Der bekannteste Mythos über Höhlen als Schwellen zur Anderswelt stammt aus Irland. Und er bringt noch eine, für die meisten unbekannte Überraschung in die Erzählwelt rund um Samhain, mit der viele nicht rechnen würden: Katzen. Und das, obwohl die „Höhle der Katzen“ als jener Ort gilt, an dem Samhain seinen mythologischen Ursprung hat[4].

Nach der irischen Überlieferung ist die Höhle der Katzen ein Tor zur Anderswelt. Mittelalterliche Sagen erzählen, dass zu Samhain Wesen aus der Anderswelt aus dieser Höhle in die Welt der Menschen strömen – Kriegerdämonen, Tiergestalten, Geister und Unheil bringende Gestalten wie der Feuer-Unhold Aillén oder übernatürliche Katzenwesen mit feurig glühenden Augen. Deshalb wird Oweynagat auch „Tor zur Hölle“ genannt.

Die wichtigste Geschichte über die Höhle der Katzen stammt aus der Erzählung Echtrae Nerai („Neras Abenteuer“):

In der Samhain-Nacht, in der sich die Schwelle zur Anderswelt öffnet, hält der König von Connacht mit seinem Gefolge ein ausgedehntes Festgelage ab. Vom Rausch der Feier beflügelt, fordert er seine Gefolgsleute zu einer Mutprobe heraus: Jemand soll hinausgehen, zu einem Gehängten am Galgen, und ihm einen Weidenzweig um den Fuß binden. Nur ein einziger Anwesender erklärt sich bereit – der junge Krieger Nera. Er verlässt die schützenden Mauern der Festhalle, obwohl es in dieser Nacht verboten ist, den Schutzkreis der Gemeinschaft zu verlassen.

Dreimal hintereinander versucht Nera, den Zweig auf das Bein des Gehängten zu binden. Beim dritten Versuch erwacht der Gehängte zum Leben und zeigt ihm, wie es gemacht werden muss. Dann klagt der Tote über Durst. Nera nimmt den Leichnam auf den Rücken und trägt ihn durch das Dorf, um ihm Wasser zu bringen. Die Szene erscheint wie eine urtümliche Vorwegnahme des späteren Halloweenbrauchs: Eine lebende Gestalt wandelt als Toter von Haus zu Haus, fordert Gaben und kündigt Unheil an, wenn man sie ihr versagt.

Schließlich öffnet eine Familie ihre Tür und bietet dem Toten Wasser an. Er trinkt – doch im selben Moment speit er den Schluck über die Bewohner, die daraufhin tot zu Boden sinken. Der Grund dafür war, dass sie es verabsäumt hatten, vor Samhain den Hausputz zu verrichten und die alte Asche hinauszuschaffen. In Irland galt es tatsächlich noch bis ins 20. Jahrhundert als schweres Versäumnis, am Vorabend von Samhain die Asche des vergangenen Jahres im Haus zu belassen. Auch Brauchwasser und Schmutz mussten zuvor entfernt werden, denn Samhain kennzeichnete den Übergang in ein neues Jahr – eine Schwelle, die einen Neujahrsputz forderte.

Nera wirft vor Schreck den Toten ab und läuft zur Festhalle zurück. Doch dort erlebt er den nächsten Schock: Rathcroghan steht in Flammen, die Gäste sind enthauptet, und er sieht, wie eine Schar von Kriegern durch die Höhle der Katzen in die Anderswelt flieht. Heimlich folgt er ihnen, wird jedoch bald von den Wesen der Anderswelt entdeckt und vor ihren König gebracht. Dieser verschont ihn, gibt ihm eine Frau und einen Platz in seiner Gemeinschaft. Eine Zeitlang lebt Nera dort in Frieden, bis ihm seine Frau offenbart, dass die Zerstörung von Rathcroghan noch gar nicht geschehen ist. Alles, was er sah, sei nur eine Vision dessen gewesen, was sich beim nächsten Samhain ereignen werde, wenn niemand eingreife. Sie erklärt ihm, dass in der Welt der Lebenden keinerlei Zeit vergangen sei und er genau zu dem Moment zurückkehren könne, in dem er die Festhalle verlassen hat. So hat er die Möglichkeit, die Seinen zu warnen und das drohende Unheil abzuwenden.

Österreichische Anderswelt-Mythen

Auch in Österreich gibt es uralte Mythen über die Anderswelt, die sich vielleicht sogar schon die Kelten erzählt haben. Eine der aufgrund ihrer Ähnlichkeiten zur Oweynagat-Erzählung beeindruckendsten ist der Mythos vom Höllenloch[6]. In Goisern nahe Hallstatt erzählt man sich schon seit grauer Vorzeit von einer Höhle namens “Höllenloch”, in der ein Teufel einen Schatz bewacht. Mehrere Schatzsucher sollen dort umgekommen sein. In der Höhle seien menschliche Skelette gefunden worden – Menschen, die der Teufel selbst geholt habe. Der Name Höllenloch deutet an, dass man es als Zugang zur Unterwelt ansah – ähnlich der Höhle der Katzen.

Samhain wurde schon vor mehr als 2000 Jahren gefeiert

Im gallischen Coligny-Kalender[5] finden sich Hinweise, die zusammengenommen nahelegen, dass Samhain bereits in vorchristlicher Zeit, also deutlich vor zwei Jahrtausenden, begangen wurde. Der Kalender enthält den Monatsnamen „Samonios“, der sprachlich mit dem irischen „Samhain“ in Verbindung gebracht wird. Zum Vergleich: Allerheiligen feiern wir seit rund 1000 Jahren.

Samhain wurde 3 Nächte lang gefeiert

Den ältesten verfügbaren Quellen nach wurde Samhain tatsächlich drei Nächte lang gefeiert. Auch diese Information stammt aus dem gallischen Coligny-Kalender, einer bronzenen Mondkalendertafel aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. Dort findet sich im Monat Samonios der Eintrag: „TRINOX SAMO SINDIU“ – „Dies sind die drei Nächte des Samhain (Samonios).“

Krampus und die gemeinsamen Wurzeln

Krampus und Samhain gehen auf gemeinsame Wurzeln im vorchristlichen Brauchtum zurück, das stark von Themen wie dem Übergang vom Herbst zum Winter, der Verehrung der Ahnen und dem Wirken von Geistern geprägt ist. Beide Traditionen entstammen dem keltischen Kulturkreis, entwickelten sich jedoch regional unterschiedlich: Samhain in Irland, Krampus im alpinen Raum, insbesondere in Österreich, Bayern, Südtirol und Slowenien.

Sowohl Samhain als auch die Krampusbräuche markieren den Beginn der dunklen Jahreszeit. Samhain fällt jedoch auf die Nacht auf den 1. November, während der Krampus am 6. Dezember auftritt. Samhain gilt als das ältere, ursprüngliche Fest, das noch klar in einem heidnischen Kontext steht. Krampus hingegen wurde bereits in das christliche Fest des heiligen Nikolaus eingebunden und erscheint dort als dessen dämonischer Begleiter. Doch auch seine Figur geht aif deutlich ältere, vorchristliche Winterdämonen und Perchten zurück.

Die wichtigsten Rituale von Samhain

Nordfyr

Auf exponierten Hügeln entzündeten die Kelten ein großes Jahreszeitenfeuer; Haushalte löschten ihre Herdflammen und holten symbolisch „neues“ Feuer von dort, um Schutz für die Winterhälfte zu gewinnen. Rauchgänge und Räucherungen galten als Unheil abwehrend; Menschen, Geräte und vor allem das Vieh wurden gesegnet oder durch den Rauch geführt. Gleichzeitig brachte man die Herden in die Winterhaltung, Vorräte geordnet, Abgaben geregelt und Bündnisse bestätigt.

Im deutschen Sprachraum ist vor allem das Notfeuer, auf den Britischen Inseln das Nordfyr belegt: Man löschte im Dorf alle Herdflammen und entzündete gemeinschaftlich ein neues, jungfräuliches Feuer, das nicht von einem alten Feuer abstammen durfte. Es wurde durch Reibung von Holz oder mit Funken aus Feuerstein entzündet; oft galten Reinheitsregeln: kein Eisen, keine unverheirateten Männer und streng festgelegte Handgriffe. Solche Bräuche sind im Alpenraum, in Bayern und Österreich ebenso bezeugt wie in Schottland und Irland – teils noch bis ins 18./19. Jahrhundert.

Auf österreichischem Territorium wurde das Notfeuer auch anlassbezogen entzündet – vor allem bei Viehseuchen oder anderer „Not“, um Herden durch Rauch zu treiben und dadurch vor Unheil zu schützen. Kirchliche Verbote aus der Karolingerzeit[1] zeigen, dass solche „gottlosen Feuer, die sie „Niedfyr“ nennen“ im bayerisch-fränkischen Raum noch im 8. Jahrhundert so verbreitet waren, dass sie ausdrücklich untersagt wurden; das berührte in späteren Jahren auch das bayerische Gebiete im heutigen Österreich.

Streiche spielen

1. Dinge verstecken oder vertauschen
Man nahm z. B. Gartentore ab, schob Karren und Werkzeuge auf Dächer oder verstellte Viehagenden. Der Sinn war ein spielerischer „Chaos-Akt“ – man tat so, als hätten die „Geister“ es getan.

2. Haustiere freilassen oder umplatzieren
Oft wurden Hühner, Ziegen oder Kühe aus Ställen geführt und beim Nachbarn angebunden. Solche Streiche waren üblich in Irland und Schottland bis ins 19. Jahrhundert.

3. Ruß, Asche oder Lampenruß als „Maskierung“
Kinder und Jugendliche schwärzten sich das Gesicht, damit man sie nicht erkannte, und klopften dann an Türen. Das war der Vorläufer von „Süßes oder Saures“.

4. Lebensmittel stehlen – aber nur in dieser Nacht erlaubt
Sogenannte „Samhain-Bettelgruppen“ nahmen Eier, Brot oder Milch von Bauernhöfen, angeblich „für die Feen oder Ahnen“. Die Besitzer mussten so tun, als wäre es kein Diebstahl, sondern ein übernatürlicher Anspruch.

5. Feuer- oder Lichterstreich
Man löschte absichtlich Hauslichter oder nahm Fackeln weg – weil Samhain auch mit dem Neustarten des „Jahresfeuers“ verbunden war. Wer kein Licht hatte, musste darum bitten oder „lösen“.

Das Prinzip war:
„Wenn die Geister kommen, darf die Ordnung wanken – also tun wir so, als wären wir die Geister.“

Verkleiden

Die Vorstellung, dass in jener Nacht gefährliche übernatürliche Wesen umhergingen, erklärt vermutlich eine weitere beliebte Halloween-Tradition: das Verkleiden. Aus Angst vor den Anderswelt-Wesen kamen die Menschen auf die Idee, sich zu tarnen, indem sie ihnen möglichst ähnlich sahen. Man hoffte, dass die Geister einen in dieser Verkleidung nicht erkennen oder für einen der Ihren halten würden. So warf man sich Tierfelle über die Kleidung und setzte Masken auf, die häufig tierische Züge trugen. Auf diese Weise sollte Täuschung zum Schutz werden.

Druiden

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es zur Zeit der frühen Samhain-Feiern Druiden gab. Sie leiteten religiöse Rituale, kannten Kalender, Tieropfer, Weissagung und die „heiligen Gesetze“. Da Samhain ein Hochfest des Jahreskreises war, ist es sehr wahrscheinlich, dass Druiden an seinen rituellen Handlungen beteiligt waren. Die keltische Religion kannte kein ausschließlich männliches Priestertum wie später die Kirche. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass auch weise Frauen gewisse Rollen zu Samhain innehatten.

Die Symbolik von Samhain

Die Anderswelt

Unter der Anderswelt versteht man das Reich, das parallel zur Menschenwelt existiert und sich an Schwellen öffnet: an Hügeln und Höhlen, an Quellen, Seen und alten Baumheiligtümern, aber auch an Türschwellen und Wegkreuzungen. Zeit kann dort anders vergehen, Gaben und Worte binden stärker als in unserer Welt, und Gastfreundschaft wie Gefahr liegen dicht beieinander. Zu Samhain gilt der Schleier als besonders dünn; deshalb ehrt man die Ahnen, meidet frevelhafte Eingriffe an heiligen Orten und schützt Haus und Vieh mit Licht, Salz und Eisen.Morrigan, die Schicksalsgöttin

An Samhain, so heißt es in den alten Erzählungen, öffnet sich die Katzenhöhle – Oweynagat – und aus ihr tritt die Morrígan hervor. Die Morrígan gilt als Geisterkönigin, als dunkle Göttin der keltischen Mythologie, die für Leben und Tod steht. Am häufigsten erscheint sie in der Gestalt eines Raben, oft auf einem Schlachtfeld, wo sie den Tod ankündigt oder den Ausgang des Kampfes beeinflusst. Doch sie ist nicht nur eine Göttin des Krieges, sondern zugleich eine Macht des Lebens und für viele auch eine Verkörperung des Schicksals selbst. Wer von ihr berichtet, beschreibt sie immer anders: Manche betonen ihre jugendliche Schönheit und Energie, andere ihre Wildheit und unheimliche Präsenz.

Die Sluagh – das Heer der Toten

Die Sluagh („Heer der Toten“) sind die Seelen derjenigen, die weder in Frieden starben noch in der Anderswelt Aufnahme fanden. Sie rauben nicht nur Seelen, sie können auch Heimatlose in ihr Heer zwingen – wer ihnen zu nahekommt, fliegt mit ihnen fort und kehrt nie zurück.

In manchen Erzählungen erscheinen sie als:
• ein dunkler Vogelzug
• ein schwarzer Nebel mit Flügeln
• ein Heer aus dünnen, ausgemergelten Schattenmenschen

Samhain galt als die Nacht, in der die Sluagh besonders mächtig sind, weil die Grenze zur Anderswelt offensteht. Nur Feuer, Eisen oder eine geweihte Kerze konnten sie fernhalten.

Cat Sìth – die Katzenkreatur

Die Cat Sìth (sprich: „Kett Schie“) ist eine Kreatur der schottischen Highlands und der Isle of Skye, aber auch in Irland bekannt. Sie ist kein gewöhnliches Tier, sondern ein Wesen der Anderswelt – halb Tier, halb Fee. Sie erscheint in der Form eines schwarzen Katers, so groß wie ein Hund mit einem einzigen weißen Fleck auf der Brust und leuchtenden Augen, die im Dunkeln glimmen. Wenn sie die Menschen erschrecken will, kann sie aufrecht stehen wie ein Mensch. Die Cat Sìth wird mit Hexerei, Feen und Toten in Verbindung gebracht.

Man glaubte, dass die Cat Sìth an Samhain durch die Dörfer streift und über jedes Haus richtet. Wo man ihr Milch opferte (ein Schälchen vor der Tür), segnete sie das Haus. Wo sie nichts bekam, verfluchte sie das Vieh oder stiehlt einem toten Ahnen der Familie die Seele, bevor ein Priester sie segnet.

Krähen und Raben

Wo zu Samhain Krähen und Raben auftrauchen, ist auch die Schicksalsgöttin Morrigan nicht weit. Sie prophezeit das weitere Schicksal des Fragenden.

Eulen

Eulen gelten zu Samhain als nächtliche Schwellenhüterinnen. Ihr lautloser Flug und ihr Ruf machen sie zu Vorzeichen aus der Zwischenwelt; in gälischer Tradition erscheinen sie als Boten der Cailleach und als Wächterinnen von Kreuzwegen, Grabhügeln und Hofeingängen.

Eberesche (Rowan) und Weißdorn als Feenbäume

Die Eberesche gilt als starker Schutzbaum; rote Beeren und fünfstrahlige Samenkerne stehen für Abwehr und Wegweisung. Aus Rowan-Zweigen wurden Talismane für Türen, Ställe und Boote gefertigt. Der Weißdorn ist der klassische Feenbaum: Solitäre Weißdorne sind Versammlungsorte des „kleinen Volkes“ und werden nicht gefällt. Bänder, kleine Opfergaben und respektvolle Umgehung sind an Samhain üblich, um Segen statt Unheil zu erbitten.

Holunder

Der Holunder verbindet Haus und Ahnenwelt. In mitteleuropäischer Überlieferung wohnt ihm eine weibliche Schutzmacht inne; man bittet vor dem Schneiden um Erlaubnis und nutzt Blüten, Beeren und Rinde heilkundlich. Ein Holunder am Haus gilt zu Samhain als „Ahnensitz“ und als natürlicher Schutz, weshalb man ihm Licht darbringt.

Eibe

Die Eibe ist Baum der Friedhöfe, ältestes Sinnbild für Tod und Erneuerung. Ihre giftige Kraft und ihr wintergrünes Leben machen sie zum Grenzgänger zwischen den Welten. Zweige werden ehrfürchtig behandelt und nicht achtlos ins Feuer geworfen.

Stechpalme und Efeu

Stechpalme und Efeu tragen das Immergrün in die dunkle Jahreszeit. Die Stechpalme steht für Wehrhaftigkeit und Winterherrschaft, der Efeu für Bindung, Treue und das Beharren des Lebens im Schatten. Um Samhain holt man beides als stillen Schutz ins Haus und lässt Kränze bis nach den Rauhnächten als Abwehr gegen Umherziehendes hängen.

Eiche

Die Eiche ist der Baum der Beständigkeit und ein Hauptbaum der heiligen Haine. Zu Samhain symbolisiert sie die tragende Achse zwischen Menschenwelt und Anderswelt; alte Eichen mit Höhlungen gelten als natürliche Tore oder Sitze der sidhe. Eicheln und Laub dienen als schlichte Gaben für die Ahnen, und man vermeidet es, alte Eichen zu schädigen.

Apfelbaum

In der keltischen Bildwelt führen Äpfel in Inselreiche der Jugend; in der Samhainnacht nutzt man Apfelspiele und Schalenorakel, um Liebe, Glück oder Wegweiser für das kommende Jahr zu erfragen. Ein aufgeschnittener Apfel zeigt den fünfstrahligen Stern der Schutzkraft; Apfelscheiben und Apfelbrot gelten als milde Gabe an die Ahnen.

Pilze

Pilze gelten als letzte Boten der feuchten, warmen Erde vor dem Winter. Feenringe aus Pilzen gelten als Tanzplätze des „kleinen Volkes“ und als natürliche Schwellen, die man nicht betritt. Der leuchtende Fliegenpilz steht im Volksglauben für Zauberkraft.

Neujahrsputz

Da Samhain für die Kelten dasselbe wie für die christliche Kultur das Neujahrsfest ist, wurde im Haus auch der Neujahrsputz abgehalten. Altes Feuer wurde durch jungfräuliches (aus dem Notfeuer) ersetzt und Asche, Schmutz- und Brauchwasser aus dem Haus entfernt. Das Haus wurde für die kommende lange Zuhause-Zeit vorbereitet.

Kerzen: Lichter und Laternen – „Seelenlichter“– im Haus und vor der Schwelle.

Kränze und Gestecke: aus Eiche, Efeu, Eibe, Eberesche und Weißdorn.

Herbstblumen: Herbstastern und Heide, weil sie spät blühen und Beständigkeit symbolisieren.

Die Lebensmittel zu Samhain

Äpfel, Nüsse und Rüben (nicht Kürbisse) zählen zu den wichtigsten Lebensmitteln rund um Samhain.

Rüben

Es wurden große Rüben ausgehöhlt, Fratzen hineingeschnitzt und eine Flamme hineingesetzt – also nach demselben Prinzip, das später beim Kürbis angewendet wurde. Diese Rübenlichter dienten dazu, böse Geister fernzuhalten, den Seelen der Verstorbenen Licht zu geben und den Übergang zwischen der Welt der Lebenden und der Toten sichtbar zu machen.

Äpfel

Bei den Kelten galt der Apfelbaum als heilig und wurde mit der Anderswelt in Verbindung gebracht. Deshalb wurden Äpfel nicht nur gegessen, sondern auch als Gaben für die Verstorbenen niedergelegt oder in rituellen Mahlzeiten verwendet. Da Samhain in die Zeit nach der Apfelernte fiel, waren Äpfel außerdem ein naheliegendes Nahrungsmittel, das sich gut lagern ließ und den Winter über verfügbar blieb.

Ein überliefertes Samhain-Ritual mit Äpfeln bestand darin, den Apfel als Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Toten zu nutzen, indem man ihn als Speise und Orakel zugleich einsetzte. An Samhain wurde ein Apfel geschält, ohne dass die Schale abreißen durfte, denn je länger die zusammenhängende Schale war, desto länger sollte das kommende Leben dauern. Anschließend warf man die zusammenhängende Schale über die eigene Schulter, und die Form, die sie auf dem Boden bildete, wurde als Anfangsbuchstabe der Person gedeutet, die man eines Tages heiraten würde. Der Apfel selbst wurde danach nicht einfach gegessen, sondern geteilt. Ein Stück wurde verzehrt, ein anderes als Gabe für die Ahnen draußen vor die Tür gelegt, damit die Toten, die in dieser Nacht zur Welt der Lebenden zurückkehren konnten, ebenfalls daran teilhaben mochten.

Ein weiterer alter Samhain-Brauch besteht darin, um Mitternacht einen Apfel zu essen. Dabei hält das Mädchen einen Apfel in der Hand und beißt hinein. Mit der anderen Hand kämmt sie ihr Haar, während sie sich in einem Spiegel betrachtet. Im Spiegel sieht sie dann nicht nur ihr eigenes Gesicht, sondern auch das ihres zukünftigen Liebhabers oder Ehemannes.

Orakelbrot

Viele der alten Essensrituale, die einst zu Samhain praktiziert wurden, sind im Laufe der Zeit verloren gegangen. Doch eines davon hat sich in Irland bis heute erhalten und ist noch immer untrennbar mit Halloween verbunden: das Backen eines besonderen Früchtebrotes. Dieses Brot, gefüllt mit Trockenobst, enthielt zusätzlich verschiedene kleine Gegenstände, die vor dem Backen in den Teig eingearbeitet wurden. Nachdem das Brot fertig war, wurde es in Scheiben geschnitten, und die Bedeutung der jeweiligen Beigabe galt als Vorhersage für das kommende Jahr. Wer in seinem Stück einen Ring fand, durfte darauf hoffen, bald zu heiraten. Andere Gegenstände, die heute kaum noch verwendet werden, hatten ebenfalls symbolische Bedeutungen: Ein Stück Stoff kündigte Armut und zerlumpte Kleidung an, ein Fingerhut deutete auf ein zukünftiges Leben als Schneider oder Schneiderin hin, während ein Knopf bedeutete, dass man wohl Junggeselle oder Junggesellin bleiben würde. Eine Bohne versprach Reichtum und Glück, im Gegensatz zur Erbse, die das Gegenteil verhieß.

Ein weiterer Gegenstand, der inzwischen nicht mehr verwendet wird, war ein kleiner Stock. Wenn ein Mann ihn in seinem Stück Brot fand, sollte das bedeuten, dass er seine Frau sein Leben lang schlagen würde – ein düsteres Zeichen, das daran erinnerte, dass das Leben nicht nur aus Glück und goldenen Eheringen bestand, sondern auch aus Schmerz, Gewalt und Tragödien.

In Deutschland und Österreich sind bis heute in einigen Regionen die Seelenwecken bekannt.

Nüsse

Nüsse wurden zu Samhain nicht nur gegessen, sondern auch für Orakel- und Liebesrituale verwendet. Haselnüsse und Walnüsse waren in dieser Jahreszeit reichlich vorhanden, gut lagerfähig und galten als Träger von Weisheit, Fruchtbarkeit und „verborgener Wahrheit“.

In manchen Bräuchen legte man zwei Nüsse – oft benannt nach zwei Personen – ins Feuer. Sprangen oder verbrannten sie ruhig nebeneinander, galt das als Zeichen einer glücklichen Verbindung; platzten sie auseinander, sollte die Beziehung scheitern. Ähnliche Orakel wurden auch für Freundschaft oder Familienbande durchgeführt. In anderen Regionen knusperte man geröstete Nüsse, während man den Ahnen gedachte oder Geschichten erzählte.

Getreide

Zu Samhain wurde aus Getreide vor allem das Festessen zubereitet. Aus dem frischen Erntegetreide buk man Brote, Fladen oder einfache Kuchen, die man bei gemeinsamen Mahlzeiten teilte und von denen man symbolische Stücke für Ahnen und Hausgeister zurückbehielt und an Schwellen und Herdstellen legte. Der „letzte Halm“ bzw. die letzte Garbe des Feldes wurde häufig zu einer Figur gebunden und den Winter über im Haus aufbewahrt; sie galt als Schutz gegen Nahrungsknappheit.

Bier und Met

Bier und Met dienten als Festgetränke und als rituelles Trankopfer: Man trank auf die Ahnen, sprengte ein paar Tropfen auf Herd, Feuerstelle oder Türschwelle und goss kleine Mengen auf den Boden, um die „Gäste aus der Anderswelt“ zu ehren. In manchen Regionen weichte man Brot im Bier oder Met ein und legte eine Portion als Nachtgabe bereit, während der Rest am gemeinsamen Feuer verzehrt wurde.

Quellen:
(1) Concilium Germanicum, 742 n. Chr., weiberkraft.com
[2] Das hermetische Gesetz der Gegensätze, weiberkraft.com
[3] The Hallstatt-period settlement on the Malleiten, wieneralpen.at
[4] Inside the Irish ‘hell caves’ where Halloween was born, nationalgeographic.com
[5] Der Kalender von Coligny, wikipedia
[6] Das Höllenloch, sagen.at
[7] Volkslieder der Heanzen, volkskundemuseum.at


Beitragsbild: KI