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De solstititia et aequinoctia

Über die Sonnenwende und die Tagundnachtgleiche, über die Empfängnis und die Geburt unseres Herrn Jesus Christus und Johannes des Täufers.


Predigt gehalten von Johannes Chrysostomus(1), einem der drei heiligen Hierarchen der östlich-orthodoxen Kirche, im 4. Jahrhundert n. Chr., aufgeschrieben im Chrysostomus Latinus(2), im 9. Jahrhundert n. Chr. Freie Übersetzung und Interpretation von Alvisi vom roten Stein.

Ich weiß nicht, ob jemand es wagen dürfte, das Geheimnis einer so großen Vollendung zu begreifen. Dass man nämlich am Lauf der Stunden, der Tage und der Nächte Vorherbestimmungen abzulesen vermag, was man durch Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen erkennen kann.

Durch die glorreiche Passion des seligen Herrn und durch die Mitglieder der heiligen Kirche sind wir von den wiederkehrenden Bahnen von Sonne und Mond wohl unterwiesen. Um die Fragen der Nichtwissenden zu antworten, wollen wir das bisher Unausgesprochene kurz darlegen, nämlich:

Christus steht über allem Sterblichen. Sein Kommen in die Welt ist so bedeutend, dass es nur durch kosmische Zeichen wie Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen angedeutet werden kann. Er wurde zur Frühlingstagundnachtgleiche (21. März) empfangen, als das Licht in die Welt kam, und seine Geburt war der Wendepunkt des Lichts – die Wintersonnenwende (21. Dezember).

Er ist den Sterblichen gleich und hat den Tod durch seine Unsterblichkeit überwunden. Deshalb rufen die himmlischen Mächte aus: „Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist dein Stachel?“ Hier wird das Leben gelobt und der Tod verachtet. Das bezeugt, dass Christus den Tod besiegt hat. Und auch wir, die wir lange im Tod verharrten, haben durch die Annahme seiner Gnade das ewige Leben erlangt. Lasst uns daher die Werke der Finsternis ablegen und den Werken des Lichts folgen!

Denn es ist das Licht erschienen. Es ist in diese Welt gekommen und hat unsere Herzen erleuchtet. Seine Ankunft haben die Propheten vorhergesagt – sowohl durch Worte als auch durch Zeichen.

Heuchler sind, die Prüfungen verlangen – warum prüft ihr nicht, was jetzt ist? Wenn jemand Zeiten der Prüfung erkennen will – was zeigt dann mehr die Ankunft Christi als die Empfängnis (Frühlingstagundnachtgleiche) und die Geburtszeit (Wintersonnenwende)? Die Gläubigen haben durch ihren Glauben sowohl den Tod erkannt als auch die Empfängnis, die Geburt und das fleischliche Leben Christi, des Erlösers, was durch die Propheten offenbart wurde.

Groß ist auch Johannes der Täufer, dessen Geburt vorhergesagt und niedergeschrieben wurde! Denn siehe, der Engel sprach: „Er wird vor dem Angesicht des Herrn hergehen und seinen Weg bereiten, macht gerade seine Pfade“ Jener, der sagte: „Nach mir kommt ein Stärkerer als ich, dessen Schuhriemen ich nicht würdig bin zu lösen“ – dieser ist es, der kam, um Zeugnis zu geben für die Wahrheit, damit alle an Christus glauben. Von Johannes ist Zeugnis gegeben worden. Es ist die Wahrheit.

Niemand unter den jemals von einer Frau (Anm.: also von keiner Jungfrau) Geborenen ist größer als Johannes der Täufer. Ebenso sind es Abraham, Isaak und Jakob würdig, mit Namen genannt zu werden. Und mit solcher Würdigung wurde die bekannte Empfängnis und Geburt durch die Ankündigung offenbart. Die Ankündigung von Jesu Geburt (Frühlingstagundnachtgleiche) war nicht nur ein Zeichen für seine Geburt, sondern beinhaltete zugleich schon den Hinweis auf seinen Tod. Denn das ganze Leben Jesu – von der Empfängnis bis zur Passion – war Teil des göttlichen Heilsplans. Und diese Verbindung von Geburt und Tod, Licht und Dunkel, Anfang und Ende wurde bereits durch Propheten wie Sacharja vorhergesagt. Denn der Duft des Tempels war erfüllt vom Tod – und dem ewigen Leben. Was von vielen Propheten gesagt wurde, auch von Sacharja, wurde wahr. Denn der persische Prophet sagt: „Sacharja, Sohn des Barachias, tritt herzu und bezeuge dies den Gläubigen. Maria empfing und gebar einen Sohn.“

Zu den vier Zeiten, das heißt im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter, erkennt man das ganze Jahr hindurch den Wechsel. Derselbe Prophet sagt: „Ein angenehmes Jahr des Herrn.“ In derselben Schrift im Buch Exodus heißt es, dass in einem Monat die Aussaat beginnt und im selben Monat die Ernte eingeholt wird. Dies wird für das Haus Juda zur Freude und zum Jubel und zu vielen Festtagen sein.

Kein Priester hielt sich selbst für würdig, einem solch auserwählten Volk ein würdiger Vertreter zu sein. Doch niemand hielt es für möglich, dass Christus selbst der wahre Priester sein würde, zu dem der Vater gesprochen hatte: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Er hat das wohlgefällige Opfer für die Sünden aller dargebracht und sein heilbringendes Kommen vorbereitet.

Was also ist wirklich geschehen? Was erkennen wir aus der Antwort des Engels Gabriel? Hat der Engel Zacharias erhört? Wessen Gebete werden je so erhört, dass auch das erhört wird, was der Vater ersehnt?

Gabriel [sagte]: „Zacharias, dein Gebet ist erhört worden. Siehe, Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du wirst ihn den Namen Johannes geben. Und er wird dir Freude und Fröhlichkeit sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit dem Heiligen Geist wird er erfüllt sein, schon vom Mutterleib an. Und viele von den Söhnen Israels wird er bekehren zum Herrn, ihrem Gott. Und er selbst wird vor seinem Angesicht hergehen.“ Dies geschah im ersten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, im Monat September.

Johannes wird ihnen lehren zu opfern (nämlich keine Tiere, sondern den Leib Christi selbst), indem er sagt: „Siehe das Lamm Gottes! Siehe der, der die Sünden der Welt hinwegnimmt!“ Denn es steht völlig fest, dass Zacharias, der Priester der Juden, deshalb verstummt ist, weil sie Opfer nach dem Gesetz und den Propheten darbrachten (weil sie Tiere opferten). Denn es bedeutet, dass mit dem Kommen Christi die Opfer, das Gesetz und die Propheten aufhören würden (das alte Opfersystem). Und deshalb: Das Gesetz und die Propheten galten bis zu Johannes. Dessen Empfängnis ihren Lauf nahm. Bis zum fünften Monat konnte Elisabeth ihre Empfängnis verbergen. Weshalb wollte der Herr zeigen, dass in hohem Alter eine Unfruchtbare erschien (Elisabeth war schon eine „alte Frau“)?

Dann schließlich, nach einem weiteren Monat, also im sechsten Monat nach der Empfängnis Elisabeths (zur Herbsttagundnachtgleiche), wurde wiederum der Engel Gabriel gesandt (Jesus wurde sechs Monate nach Johannes dem Täufer empfangen – also zur Frühlingstagundnachtgleiche). Diesmal nach Galiläa, zu einer Jungfrau, die mit einem Mann namens Joseph verlobt war. Diese Jungfrau war mit der Kirche verlobt, ihrem gerechten Bräutigam, über den Johannes sagt: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam.“ Das heißt: das Abbild des Bräutigams tritt aus seinem Gemach hervor.

„Gegrüßet seist du, Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Über dieses Wort war ich verwundert, was es bedeuten solle. Und siehe, der Engel sprach zu ihr: „Du hast Gnade gefunden bei dem Herrn. Siehe, du wirst empfangen im Schoß und gebären einen Sohn, und du wirst seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Und er wird herrschen im Hause Jakob in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein.“ Maria aber sprach: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Der Engel antwortete: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.“ Als Maria dies hörte, sprach sie: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Und der Engel schied von ihr.

Als sie die Empfängnis (zur Frühlingstagundnachtgleiche) erreicht hatte, war die Welt noch in Dunkelheit, doch da kam das Licht in die Welt. Es war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, wie Johannes in seinem Evangelium sagt: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Deshalb wurde zur Frühlingstagundnachtgleiche das Geheimnis der Empfängnis des Herrn gefeiert. Denn an diesem Tag wurde er empfangen, an demselben Tag, an dem er auch gelitten hat und gekreuzigt wurde. Der Engel kam zu Maria zur Frühlingstagundnachtgleiche.

Die Sakramente lehren: „Du sollst nicht töten.“ Vor allem das Blutvergießen, das Opfer der Qualen und die Darbringung am feierlichen Tag des Pascha. Kein Geschöpf sollst du im Hause des Herrn töten. „Du sollst nicht töten.“ Denn das Lamm wird laut der Schrift in der Muttermilch seiner Mutter nicht gekocht. Dies bedeutet das unbefleckte Lamm.

Deshalb wird das Licht in jenen Tagen (der Wintersonnenwende) geringer. Christus blieb neun Monate im unversehrten Schoß der Jungfrau. Die Naturzeiten überstiegen ihn selbst, doch die menschliche Natur füllte die neun Monate aus. Denn ein Monat besteht aus dreißig Tagen, fünf davon sind die sogenannten eingeschalteten Tage, die neun voll machen (30 x 9 + 5 = 275 Tage Schwangerschaft). Im zehnten Monat wurde Christus geboren, als die erste Volkszählung des ganzen Menschengeschlechtes vom syrischen Prokonsul Quirinius im Auftrag des ewigen Herrn angeordnet wurde. Es kamen also aus allen Orten die Menschen, um sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Deshalb wusste Herodes, dass ein König geboren war, weil das königliche Bild sich bewegte, der Stern glänzte mit hellem Licht und wurde gesehen.

Der Stern also führte die drei Fürsten des Ostens zur Krippe und verkündete ihnen: „Ein König ist geboren.“ Der Stern führte sie, um dem Neid des Herodes zu entgehen, auf einem anderen Weg nach Hause. Sie suchten das Kind, das in der Krippe in einem Gasthaus lag, das heißt im Stall war es in einer Krippe gelegt, mit Tüchern umhüllt, denn er wollte im Stall geboren werden. Denn welche auch immer die Sünden des Fleisches waren, mit Gold, Weihrauch und Myrrhe wurden sie geopfert im Geheimnis des Sakraments. Gold: für die Königswürde. Weihrauch: bedeutet den makellosen Leib, der geprüft wurde und nichts verlor. Dies sind jene, von denen in der Apokalypse geschrieben steht: „Diese sind es, die ihre Kleider nicht befleckt haben“ – das heißt: die ihr Fleisch unversehrt bewahrten – und sie wandeln mit dem Lamm in weißen Gewändern. Denn der Weihrauch bedeutet das Gebet der Heiligen. Die Myrrhe aber ist zur Bestattung des Körpers bestimmt, das heißt für die guten Werke, welche schließlich den Leib und die Seele des Menschen verherrlichen.

Sie bewahren es, wie in der Apokalypse gesagt ist. Denn bei den Arbeitern wird es zusammengesammelt. Nun aber soll, wie gesagt, inmitten dieser Dinge gesucht werden, wie durch Zeitläufe und Handlungen zuerst die Untreue der Juden offenbar wurde, als sie Mose gegenüber widerspenstig waren, bis sie, nachdem sie durch den Tod des Mose in das Land eintraten, den Monat März als Anfang des Jahres annahmen. Jene aber, die die himmlischen Dinge ausüben, nennen den Monat September selbst den Anfang des neuen Jahres, wenn sie auch im Monat März die Amtszeiten der Obrigkeiten ansetzen, was sie ‚sacromata‘ nennen. In diesem festlichen Monat, in dem Xenophilus, genannt Samuel, geboren wurde, wurde auch Johannes empfangen, als das Jahreslicht gewechselt wurden.

Was auch Abraham gesehen hat, dass es der Tag der Empfängnis war. Darüber sagte er: „Jener war eine brennende Lampe, und ihr wolltet euch eine Zeitlang an seinem Licht erfreuen.“ Auch der Ruf der Kinder ist oft hörbar, die sagen: ‚Es ist Licht und Freude.‘ Denn das größte Glück ist, das Leben zu finden.

Deshalb fragten die Soldaten bei Johannes und die Zöllner, was sie tun könnten, um gerettet zu werden. Jenen sagte er, sie sollten sich mit ihrem Sold begnügen. Was sagte er zu den Soldaten? Er sagte: Sie sollten niemanden bedrängen noch falsch beschuldigen, sondern sich mit ihrem Sold begnügen. Ebenso wurden die Zöllner getadelt, dass sie nicht noch mehr fordern sollten, als ihnen geboten war zu fordern. So entstand Freude durch Johannes, der den Christus in seinem Schoß trug, wie der Engel zu seinem Vater Zacharias gesagt hatte: „Viele werden sich über seine Geburt freuen zur Herbsttagundnachtgleiche (21. September), als Johannes empfangen wurde, in welcher Jahreszeit das Feld geerntet wurde.“

Schon wird wieder ausgesät, und die Saat keimt bereits. In diesem Monat verlassen die alten Kolonisten (die nach dem Gesetz Mose lebten) die Felder. Es ruhen die Pflüge, es endet das Schreiben der Einschreibungen, das Gesetz wird gebrochen, neue Gesetzgeber werden bestellt (das Reich Gottes).

Es wird überliefert, dass Gott zu Phinehas sprach: „Ich werde dir jenes geistige Gesetz geben, wie ich es euren Vätern nicht gegeben habe, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. Denn jene, die zuvor im Kult unrein waren, und deren Schuld aufgrund vergangener Zeiten nicht erlassen war, wurden nicht losgesprochen, sondern bedrückten unterdrückte Diener sehr schwer. Auf göttliches Geheiß steinigten sie sogar einige.“ Auf göttliches Geheiß kam der Sohn und bekannte sich als Sohn und Erbe des Vaters. Aus dem Testament musste er das väterliche Erbe empfangen. Als der Sohn kam, sagten die Übeltäter: „Dieser ist der Erbe, kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbe uns gehört.“ Daher musste der Vater den Übeltätern das Erbe entreißen und es einem anderen Kult geben.

Sie setzten wieder ein, was durch vergangene Zeiten geschuldet war, um es zu begleichen. Und deshalb sagt Jesaja: „Das Gesetz wird ausgehen von Zion und das Wort des Herrn von Jerusalem. Und sie werden ihre Schwerter in Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen in Sicheln. Nation wird gegen Nation das Schwert nicht mehr erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen.“

Aber ohne Zweifel wird in diesem Sakrament das Geheimnis offenbart, das der Prophet sagte: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Lanzen zu Sicheln.“ Wie kann das Eisen im Holz beschlossen werden? Warum konnte er nicht sagen: „Sie werden ihre Schwerter ins Meer werfen?“ Sondern: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen.“ Deshalb also bestehen noch heute die Profankriege bei uns, wegen der Uneinigkeit unter den Völkern, wegen der Spaltungen, der Bedrängnisse, der Zwietracht, der Erde, er selbst der Mensch.

Es ist ein Wort des Herrn: „Etwas Frucht bringt der Dreißigste, der Sechzigste, der Hundertste.“ Jetzt betrachten wir die Tagundnachtgleiche, die auf den Herbst fällt. „Der Monat März gehört zur Frühlingszeit“, sagte er, „und die helle Tagundnachtgleiche bringt einen angenehmen Schlaf für die, die träge und durch Schlaf geschlossen sind, deren Schlaf den Augen fehlt.“

Wie die Schrift sagt: „Wie lange, Fauler, schläfst du? Wann wirst du von deinem Schlaf aufstehen? Steh auf und berühre den Herrn“, sagte die Stimme des Seemannes. „Öffne das Rote Meer“, das schloss sich über den Pharao mit großem Wehgeschrei des Volkes, das mit ihm unterging. Mose aber wurde durch das Fluten des Meeres geehrt und feierte den Sieg, und das Volk wurde gewarnt, im Gedächtnis zu behalten den Tag der Befreiung, als sie aus der Sklaverei befreit wurden.

Aber während sie befreit waren, wurde dennoch von Neuem das Werk der Sünde und Knechtschaft Ägyptens über sie gebracht. Und deshalb sagte der Herr: „Wenn euch der Sohn befreit hat, dann werdet ihr wirklich frei sein.“ Jetzt freust du dich auf dem Lande, jetzt freust du dich am Ländlichen. Aber Adam, nachdem er die dunklen Blätter der Güter verloren hatte, hatte einige zum Bedecken seiner Scham gesucht, und eine andere Flügel brachte Schutz, die, wie gesagt wird, von der Wurzel hervorgegangen ist – die Jungfrau.

Jetzt ist das Werk abgeschlossen. Die Vollendung der Werke der Altväter. Die ganze Knechtschaft des Fleisches wird durch das Gesetz beendet, wie der Herr im Buch Exodus angeordnet hat: das feierliche Opfer der Erstgeborenen, durch das alle Werke beendet wurden, die Knechte im Grabe verrichtet hatten. Denn das Gesetz der fleischlichen Knechtschaft wurde bis zu Christus ausgeführt. Sieben Geheimnisse des Teufels, dunkel und furchtbar, mit Strafe verbunden, wurden durch das Licht aufgedeckt. Die Ketten wurden zerbrochen, und er erschien, jener, der im Grab schlief, jener, der geboren wurde.

Und es wurde gesagt, dass das kleine Vieh gelassen in der Herde ruhte, aber durch Frost und Eis erschauert war. Denn man hört sagen, dass Christus zur Frühlingstagundnachtgleiche als Kind empfangen worden sei. Man glaubt, dass zur gleichen Zeit Abel die Opfergabe darbrachte. Kain aber ging ins Feld hinaus und erhob sich gegen ihn. Daher trifft man auch auf den Monat März, der die Hirten betrifft. Doch die Schrift sagt: es war ein Wort im Feld.

Denn es war ein Wort im Feld, nämlich in dem Feld, in dem Maria den Glauben empfing, Christus, den Herrn, unseren Herrn, empfing. Doch andere hört man sagen, Christus sei auf dem Feld erschienen und habe sich später im Monat März offenbart. Manche sagen sogar, dass er auf dem Feld war, als der Engel Gabriel im Gespräch mit Maria war und Christus in den Schoß gesandt wurde. Wiederum wird gesagt, dass er nach dem Mahl erschien, als er selbst im Monat März die Jünger führte und ihnen erschien, nachdem sie gegessen hatten, und er das Brot segnete. Denn der Tag seiner Empfängnis und der seines Leidens ist derselbe; dasselbe Ereignis findet sich etwa am zehnten Tag. Denn er wurde im Monat März empfangen, zur Frühlingstagundnachtgleiche, an dem Tag, an dem später auch sein Leiden geschah.

Am allerberühmtesten wegen der Stunde seines Leidens wurde er empfangen. Deshalb sagte Xenophilus über diesen Tag: „Ihr steigt hinauf zu diesem Festtag – und ich selbst werde nicht aufsteigen, denn meine Zeit ist noch nicht gekommen.“

Dieser Monat wird wegen der Feierlichkeit genannt, in der Johannes empfangen wurde. Denn auch seine Zeit der Empfängnis und seines Leidens war die gleiche, wie man sagt. Denn es wird gesagt: „Der Sohn des Menschen wird zur bestimmten Stunde erhöht werden.“ Doch später wurden zwei Empfängnisse gesucht.

Er sagte, dass zwei Sonnenwenden zwei Naturen anzeigen. Denn Johannes wurde im Monat Juni geboren, als ein Licht, wie man ihn nennt, zu der Zeit der Ernte. Denn es wird gezeigt, dass auch Johannes gemäß dem Lauf der Natur erschien. Und er selbst wurde wie zur Ernte beschnitten, wie er offen sagte: „Er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“

Johannes wurde also zur Herbsttagundnachtgleiche beschnitten, zu der Zeit, als unsere Vorfahren abwanderten, wie es das Gesetz und die Propheten vorgesehen hatten. Denn nach dem Gesetz der Propheten wanderten sie, aber Christus wurde empfangen im Monat Dezember, zur Zeit des Winters (zur Wintersonnenwende). Das Lamm Gottes wurde geboren, um dem Herrn ein wohlgefälliges Opfer darzubringen. Die Sichel wird geschärft, wie es der Geist sagt, damit sie die Bäume abschneiden, die keine Frucht bringen. Denn jeder Baum, der keine Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Deshalb nennen sie es auch seinen Geburtstag, an dem der Herr beschnitten wurde, wie es im Gesetz steht. Oder sie sagen, das sei der wahre Tag seiner Geburt, da er durch das Blut geweiht wurde, wie der Prophet Maleachi sagt: ‚Plötzlich wird in seinen Tempel kommen der Herr, den ihr sucht.‘ Und er wurde am achten Tag beschnitten, gemäß dem Gesetz, wie es Abraham gegeben wurde. Am achten Tag vor den Kalenden des Januars, also zur Zeit der Wintersonnenwende, nahm er Gnade und Wahrheit an, wie es Johannes sagt. Und so wurde die Art des Todes vorausgesagt.“

„Denn Gnade und Wahrheit wurde durch Jesus Christus gemacht in Christus, unserem Herrn, der lebt und herrscht mit dem Vater und dem Heiligen Geist, in alle Ewigkeit. Amen.

Hier endet alles zur Sonnenwende und zur Geburt unseres Herrn Jesus Christus und des Johannes des Täufers.

Zur Erklärung:
Die Predigt von Johannes Chrysostomus erklärt, dass die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen mit der Geburt und dem Tod von Jesus Christus und Johannes dem Täufer zusammenhängen. Er argumentiert, dass die kosmischen Phänomene nicht zufällig sind, sondern symbolisch anzeigen, wann diese Ereignisse passiert sind.

Er sagt: Jesus wurde zur Tagundnachtgleiche im Frühling empfangen, als das Licht in der Natur begann, wieder stärker zu werden – das symbolisiert er damit, dass mit Jesus das „Licht in die Welt“ kam. Geboren wurde Jesus dann zur Wintersonnenwende im Dezember – auch das ist für ihn ein Zeichen: Mit Jesus beginnt das Licht in der Dunkelheit.

Dasselbe gilt in seiner Rede auch für Johannes den Täufer. Er wurde sechs Monate vor Jesus empfangen – zur Herbsttagundnachtgleiche – und im Juni geboren, zur Sommersonnenwende. Für Chrysostomus ist das wichtig, weil Johannes den Weg für Jesus vorbereitet hat. Beide stehen symbolisch für eine grundlegende Veränderung der Weltordnung: Mit dem Kommen Jesu Christi endet das alte System der religiösen (jüdischen) Gesetze und der Tieropfer. Eine neue Ordnung in Kraft, die auf dem Opfer Christi selbst beruht. Diese neue Weltordnung stellt er als das Ende von Blutvergießen im Namen Gottes und den Beginn eines Zeitalters dar, in dem Frieden, Freude, Licht und geistige Erneuerung im Mittelpunkt stehen.

Zum Schluss betont er, dass mit Jesus das alte Gesetz abgelöst wurde und das Licht, also die göttliche Wahrheit, in die Welt gekommen ist. Der Mensch soll dieses Licht annehmen, aus der Dunkelheit (Sünde) heraustreten und ein neues Leben beginnen – im Glauben und in der Gnade.

Die Predigt enthält Argumentationsmuster, mit denen heidnische Feste durch christliche Bedeutung ersetzt oder überlagert wurden. Das zeigt sich besonders deutlich in der Betonung, dass Christus das „wahre Licht“ sei – eine klare Konkurrenzbehauptung zur heidnischen Sonnenverehrung.

Quellen:
(1) Chrysostomos, Johannes (ca. 350-407), die-bibel.de
(2) De solstititia et aequinoctia, Predigt aus dem Buch Chrysostomus Latinus , Seite 176 – 191, e-codizes.de
(3) Johannes Chrysostomus, Wortgewaltiger Prediger mit einer dunklen Seite, deutschlandfunk.de


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