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Anne Bodenham

Hingerichtet für die Verbrechen der Mächtigen

Das leichte Opfer


Die 80-jährige Heilerin, Wahrsagerin und Kräuterfrau Anne Bodenham aus England wurde 1653 der Hexerei bezichtigt, gefoltert und verurteilt. Sie war die Assistentin von John Lambe, der 1628 von einem Mob zu Tode gesteinigt wurde. Anne wurde 1653 in Salisbury durch den Strang hingerichtet. 

Anne Bodenham

⛤ 1653, England

Vier Dinge machen Menschen zu Opfern: eine Frau zu sein, eine alleinstehende Frau zu sein, alt zu sein, der Unterschicht anzugehören und als Hexe gebrandmarkt zu werden. Und das nicht nur zur Zeit der Inquisition.

Anne Bodenham kam ursprünglich aus Fisherton-Anger, nahe der Stadt New Sarum in der Grafschaft Wiltshire. Sie lernte ihr Handwerk von Dr. John Lambe, einem bekannten Hellseher und Astrologen, der ein persönlicher Berater des Herzogs von Buckingham war. Bei seiner Ermordung war sie 55 Jahre alt. Nach dem Tod Lambes‘ lebte sie von den Kenntnissen und Fähigkeiten, die sie von ihm erworben hatte. 

Zu den Klienten der Kräuterfrau zählte das Dienstmädchen Anne Styles, welches im Dienste der Familie Goddard stand. Als diese jedoch des Mordes beschuldigt wurde, nannte sie unter Folter den Namen von Anne Bodenham und warf ihr vor, sie dazu angestiftet zu haben, einen magischen Zauber mit Arsen auszuführen. 

Die treibende Kraft hinter allen Geschehnissen rund um die Geschichte von Anne Bodenham war – wie so oft – Geld. Offenbar wurden sowohl Anne Styles als auch Anne Bodenham unschuldig in ein Mordkomplott verstrickt. Scheinbar planten die Schwiegertöchter, die im Haus der Goddards lebten und dringend Geld benötigten, die Hausherrin, Mistress Goddard, zu vergiften, um über eine Erbschaft an ihr Vermögen zu gelangen. 

Das Dienstmädchen Anne Styles wurde in dieser Angelegenheit dreimal zu Anne Bodenham geschickt. Bei jeder Konsultation schien es dabei mehr um Ablenkungsmanöver zu gehen als um den eigentlichen Zweck ihres Besuchs. Aber die leitende Haushälterin des Goddard-Hauses, Mrs. Rosewel, durchschaute das Intrigenspiel der Schwiegertöchter und setzte alles daran, ihre Dienstherrin zu retten.

Bei der Gerichtsverhandlung wurde ein Pulver vorgelegt, das Anne Bodenham hergestellt und Anne Styles gegeben hatte. Damit sollten die beiden Schwiegertöchter auf magische Weise von ihrem Vorhaben abgehalten werden. Das Pulver bestand jedoch lediglich aus Kräutern und Fingernägeln – eine Mischung, die keine tödliche Wirkung hatte.

Im Haus der Goddards wurde jedoch auch Arsen gefunden. Ab diesem Punkt der Geschichte verweben sich die widersprüchlichen Aussagen so sehr, dass sie heute kaum noch zu rekonstruieren sind. In vielen Berichten heißt es, das Dienstmädchen habe das Arsen von einem Apotheker besorgt – eine Annahme, die wenig Sinn ergibt, da ihr eigentliches Ziel war, ihre Herrin vor einer Vergiftung zu schützen.

Letzten Endes kamen mit dieser Lügengeschichte alle davon – außer Anne Bodenham. Anne weigerte sich, unter Folter zu gestehen und wurde ohne Geständnis verurteilt und hingerichtet. Das Dienstmädchen wurde freigesprochen.

Wie so oft in der Geschichte traf es diejenigen mit dem geringsten sozialen Status – die vermeintliche „Hexe“ mussten die Konsequenzen tragen, während die wahren Drahtzieher des Mordkomplotts sich dank ihres Ansehens und ihres Reichtums ihrer Verantwortung entzogen.

„Alles geschieht aus fleischlicher Begierde, die bei ihnen (Anm.: den Frauen) unersättlich ist.“
Heinrich Kramer, Malleus Maleficarum, 1486


Literatur zu Anne Bodenham:
5 Infamous Witchcraft Trials in England and America, 1650 – 1700
The Wiltshire witch trial of 80-year-old ‚cunning woman‘ Anne Bodenham
An Antidote against Atheism: Wisdom and Providence von Henry More
1653: Anne Bodenham, „A pox to thee, turn me off“
From Salisbury to Salem: Anne Bodenham The witch of Salisbury