Die Bettelfrau, die ihr Leben wegen eines Stückes Brot verlor
Opfer der Hexenprozesse in Gent
Die 71-jährige Witwe und Bettlerin Catherine Tancré wurde 1603 der Hexerei bezichtigt, angeklagt und verurteilt.

⛤ 28. November 1603, Belgien
Grund für die Anklage war ein Stück Brot, das ein Kind in Oudburg (das heutige Gent) fallen ließ. Catherine hob es auf, um es dem Kind zurückzugeben, doch das Kind weigerte sich, es zurückzunehmen. Als das Kind einige Tage später schwer erkrankte, wurde Catherine dafür verantwortlich gemacht. In der Anklageschrift ist zu lesen, dass sie angeblich “Möge der Teufel dich holen” zu dem Kind gesagt hätte. Es erscheint jedoch plausibel, dass die Eltern des Kindes diese Geschichte erfunden haben, um einen Sündenbock für die Erkrankung ihres Kindes zu schaffen. Catherine wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
“Überall in den Gesetzessammlungen wird von Hexen gesprochen, man nennt sie Feinde der Natur, der Menschen, sogar der Engel – so groß ist ihre Bosheit und so abscheulich die Taten, dass die Pest und andere Seuchen auf ihr Tun zurückgeführt werden. Man glaubt, dass sie mit nur einem Wort oder einem Blick Menschen verderben können, ja sogar töten und ins Verderben stürzen.“
Jean Bodin, „La Démonomanie des sorciers„, 1580
Literatur zu Catherine Tancré:
Historische Häuser Stadt Gent – Rehabilitation of the Ghent victims of witch-hunting