Die Frau, die zu viel wusste
Opfer der Hexenprozesse in Italien
Die Adelige, Astrologin, Kräuterfrau und Ehefrau eines Notars, Gentile Budrioli, auch bekannt als Gentile Cimieri, wurde der Hexerei bezichtigt, verhaftet, gefoltert und verurteilt. Als die Scharfrichter damit begannen, ihre Gliedmaßen zu entfernen, gestand sie. Gentile wurde auf der Piazza San Domenico in Bologna vor einer Menschenmenge zuerst gehenkt und dann verbrannt. Der Platz befand sich direkt gegenüber ihres Hauses. Ihre Überreste wurden nicht bestattet.

⛤ 14. Juli 1498, Italien
Gentile war eine reiche, gebildete und schöne Frau, die in hohem Ansehen für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Heilkunst stand. Man hielt ihr Wissen sogar dem konventioneller Ärzte überlegen. Sie wurde eine enge Vertraute von Ginevra Sforza und Beraterin deren Mannes Giovanni II., des Herrschers von Bologna. Damit erregte sie jedoch auch Neid und Missgunst in Adelskreisen.
Als es ihr nicht gelang, den Sohn einer Familie zu heilen, wurden die Stimmen lauter, die sie der Hexerei bezichtigten. Beweise wurden gefälscht und vor Gericht traten falsche Zeugen gegen sie auf. Letzten Endes sagte sogar Gentiles eigener Mann gegen sie aus. Ginevra Sforza unternahm nichts, um Gentile zu verteidigen – vermutlich aus Angst, selbst ins Visier der Inquisition zu geraten. Nach der Hinrichtung kümmerte sich Ginevra Sforza um Gentiles Töchter, arrangierte vorteilhafte Ehen für die einen und überstellte andere ins Kloster.
„Es ist den alten Hexen gemein, dass sie die zarten Säuglinge und jungen Kinder mit ihrem Gesicht verzaubern. Das geschieht aus einer starken Einbildung – die starke Einbildung verändert den Geist des angehefteten Leibs. Die Veränderung des Geistes geschieht meistens über die Augen. Sie vergiften die mit den reinsten und schäftsten Geistern durch die Luft: Gleich als ein neuer und reiner Spiegel durch Anschauen eines blutflüssigen Weibs beflecket wird (Anm.: In der Bibel gelten Berührungen mit menstruierenden Frauen als unrein.). Also das Gemüt einer alten Hexe ist ganz ernsthaftig zur Bosheit angereitzet und mit ihrem giftigen und schädlichen Aussehen vegiftet sie den zarten Leib eines Kinds.“
Peter Binsfeld, Tractat – Vom Bekenntnis von Zauberern und Hexen, Der siebente Beschluß
Literatur zu Gentile Budrioli: