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Gret Fröhlicher

Zuerst freigesprochen, dann hingerichtet

Opfer der Hexenprozesse von Basel


Die wohlsituierte Hebamme und Metzgersfrau Gret Fröhlicherin aus Basel wurde 1450 der Hexerei beschuldigt und gefoltert. Als die Folter nicht die gewünschten Ergebnisse brachte, wurde sie freigesprochen. Sie klagte den Hexenjäger wegen Verleumdung an und gewann. Im Jahr 1458, acht Jahre nach ihrem Freispruch, wurde sie jedoch ein weiteres Mal der Hexerei angeklagt, und dieses Mal verurteilt und hingerichtet.

Gret Fröhlicher
⛤ 1458, Schweiz

Hoheitsgewalt: Fürstbischof von Basel, Arnold von Rotberg und Stadtgemeinde Basel (auf dem Weg zur faktischen Selbstständigkeit)
Herrschaftsform: freie Reichsstadt-ähnliche Strukturen im Entstehen
Landesherrschaft: Fürstbischof von Basel, Arnold von Rotberg und Stadtgemeinde Basel
Reichszugehörigkeit: Heiliges Römisches Reich (Reichsfürstentum)
Reichskreiszugehörigkeit: Noch keiner, da die Reichskreise erst später eingeführt wurden
Höchste kirchliche Autorität: Papst Pius II
Höchste regionale kirchliche Autorität: Fürstbischof von Basel, Arnold von Rotberg
Höchste weltliche Autorität: Kaiser Friedrich III.
Höchste regionale weltliche Autorität: Rat der Stadt Basel (Großer Rat und Kleiner Rat)
Konfessionszugehörigkeit: römisch-katholisch
Weitere Beteiligte: Hans Müller von Fürenfeld

Hintergründe zur Verleumdung 1450

Der Grund für die Anklage war ein Streit mit der Schwiegertochter von Gret. Sie bezichtigte ihre Schwiegermutter des Schadenzaubers. Zu dieser Zeit befand sich der «Hexenjäger» Hans Müller von Fürfeld in der Stadt, und er sprang aus persönlichem Nutzen (er bekam die „Jagd“ bezahlt) auf die Anschuldigungen der Schwiegertochter auf. Der Hexenjäger wurde später in Strassburg wegen Anklagen wie der von Gret hingerichtet. Gret hat dazu beigetragen, seinen „Ruf“ als Hexenjäger zu beschädigen, indem sie ihn nach ihrer Freilassung klagte und den Prozess gewann.

Im Fall von Gret Fröhlicher können weder die Reformation noch der Dreißigjährige Krieg als Ursache für ihre Verfolgung herangezogen werden, da beide Ereignisse erst ein bis zwei Jahrhunderte später einsetzten. Auch der Malleus Maleficarum (1486) war noch nicht veröffentlicht. Ihr Schicksal gehört zu den frühen Hexenprozessen, die den aufkommenden Hexenwahn allmählich entfachten.

Nach dem Basler Konzil (1431–1449) herrschte in Basel eine angespannte Stimmung: Und wie so oft, wenn Machtverhältnisse verschoben werden, entstehen Krisen, und die Menschen begegnen einander mit wachsender Härte. In dieser Atmosphäre begann man nach Sündenböcken zu suchen, denen man die Krisen anlasten konnte. Missernten, Seuchen und Wetterkatastrophen wurden immer häufiger der Zauberei zugeschrieben, und die Obrigkeit griff diese Deutungen bereitwillig auf, da die Stimmung in Basel spürbar zu kippen drohte.

Das Leben von Gret Fröhlicher

Gret Fröhlicher lebte an der Schwelle zwischen mittelalterlicher Tradition und frühneuzeitlicher Moderne. Sie erlebte weltliche und religiöse Emanzipation und kulturellen Wandel, während sie gleichzeitig in strenge traditionelle Strukturen – geprägt durch Zünfte, Geschlechterrollen, religiöse Praktiken eingebunden war.

Das Basel, das Gret sah, war eine lebendige, katholisch geprägte mittelalterliche Stadt mit etwa 8.000 bis 10.000 Einwohnern. Vermutlich hielt sie sich streng daran, die sonntäglichen Messe zu besuchen und an den kirchlichen Prozessionen im Jahreslauf sowie den hohen kirchlichen Festtagen wie Ostern oder Weihnachten teilzunehmen. Die religiöse Praxis durchdrang ihren gesamten Alltag: Gebete bei der Arbeit, Segnungen der Speisen und regelmäßige Beichte.

Die Stadtgesellschaft gliederte sich in Grets Zeit in klare hierarchische Schichten: das Patriziat mit seinen politischen und wirtschaftlichen Eliten, die Zünfte der Handwerker und Kaufleute, sowie die unzünftigen Bevölkerungsschichten und Dienstboten. Als Frau eines wohlhabenden Metzgers bewohnte Gret wahrscheinlich ein mehrstöckiges Steinhaus oder ein Fachwerkhaus in einer der besseren Lagen Basels. Das Erdgeschoss diente in solchen Familien oft als Werk- oder Arbeitsstätte, die Wohnräume befanden sich in den oberen Stockwerken. Geschlachtet wurde aber vermutlich außerhalb der Stadtmauern. Die Einrichtung war für die damalige Zeit komfortabel: massive Eichentruhen zur Aufbewahrung von Textilien und wertvollen Gegenständen, ein großer Esstisch aus Holz, gepolsterte Sitzbänke und mindestens ein beheizbarer Raum mit einem Kamin oder Kachelofen. Die Küche war das Herzstück des Haushalts, ausgestattet mit einem großen Herd, kupfernen Kesseln, eisernen Töpfen und einer Vielzahl von Werkzeugen für die Fleischverarbeitung. Da Grets Ehemann Metzger war, hatte die Familie privilegierten Zugang zu hochwertigen Fleischsorten – ein kostbares Gut, das sich nur wohlhabende Haushalte regelmäßig leisten konnten.

Ein Tag von Gret begann wahrscheinlich vor Sonnenaufgang, typischerweise gegen 5 Uhr morgens. Als Hausherrin eines wohlhabenden Metzgerhaushalts leitete sie ein kleines Team von Dienstboten – möglicherweise eine Magd für die Hausarbeit, einen Lehrling für das Metzgerhandwerk und zeitweise Tagelöhnerinnen für spezielle Arbeiten wie das große Waschen. Ihre Hauptaufgaben umfassten vermutlich die Überwachung der häuslichen Produktion: das Räuchern und Pökeln von Fleisch, die Herstellung von Hauswurst für den Eigenverbrauch und die Verwaltung der Haushaltsfinanzen. Anders als einfache Handwerkerfrauen musste sie nicht alle Arbeiten selbst verrichten, sondern fungierte als Managerin des Haushalts.

Als Metzgersfrau war Gret ein wichtiger Bestandteil des Familienbetriebs. Rechtlich war sie sogar dazu verpflichtet, ihrem Ehemann in seinem Beruf beizustehen. Obwohl Frauen theoretisch nicht an den Fleischbänken arbeiten durften, zeigen historische Quellen, dass Metzgersfrauen de facto oft dort tätig waren.

Neben ihrer Rolle als Metzgersfrau praktizierte Gret als Hebamme – ein Beruf, der um 1450 kein hohes Ansehen genoss. Ihre Tätigkeit wurde sowohl von der städtischen Obrigkeit als auch von der Kirche stark reguliert. Wahrscheinlich hatte sie einen Hebammeneid abgelegt, der sie zu einer christlichen Berufsausübung verpflichtete. Als Hebamme umfassten ihre medizinischen Kenntnisse nicht nur die Geburtshilfe, sondern auch die allgemeine Heilkunde. Gret verstand sich vermutlich auf die Anwendung von Heilkräutern, besaß Kenntnisse über verschiedene Geburtspositionen und -techniken, und wusste um die Verwendung von Ölen wie Lilien- oder Mandelöl zur Geburtserleichterung. Ihr Wissen wurde mündlich überliefert und durch praktische Erfahrung vertieft.

Als wohlhabende Handwerkerfrau gehörte sie zur respektierten Mittelschicht Basels. Ihre gesellschaftliche Position ermöglichte ihr die Teilnahme an wichtigen städtischen Ereignissen: Mysterienspiele, Prozessionen, Zunftfesten oder religiösen Feiern. Das intellektuelle Klima Basels nach dem Konzil bot auch Frauen ihrer Schicht neue geistige Anregungen. Die Geburtshilfe brachte ihr zusätzliche Einnahmen: Wohlhabende Familien bezahlten gut für ihre Dienste, und sie erhielt oft Naturalien wie Brot, Käse oder Wein als Entlohnung. Gret konnte sich vermutlich hochwertige Kleidung leisten – Gewänder aus feinem Wollstoff, möglicherweise mit Pelzbesatz, und Schmuck aus Silber oder Gold.

Als Hebamme hatte sie besondere kirchliche Verpflichtungen: Sie musste dafür sorgen, dass alle Neugeborenen getauft wurden, und in Notfällen sogar selbst die Nottaufe spenden. Ihre Arbeit bei Geburten brachte sie in enge Berührung mit Leben und Tod – Erfahrungen, die ihre Frömmigkeit prägten.

Die Basler Zunftgesellschaften

Das Zunftwesen bildete in Grets Zeit das Rückgrat der städtischen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Basler Zünfte – darunter die mächtigen Metzger-, Bäcker-, Schmiede- und Schneiderzünfte – regulierten nicht nur die Produktion und den Handel, sondern prägten das gesamte soziale Leben. Die Zunftmitglieder trafen sich regelmäßig in ihren Zunfthäusern zu den sogenannten „Morgensprachen“, wo über Preise, Qualitätsstandards, Ausbildung von Lehrlingen und gesellschaftliche Angelegenheiten beraten wurde.

Diese Struktur schuf ein Gefühl der Gemeinschaft und des sozialen Zusammenhalts. Zunftmitglieder unterstützten sich gegenseitig in Notlagen, organisierten gemeinsame religiöse Feiern und trugen zur städtischen Verteidigung bei. Jede Zunft war verpflichtet, bestimmte Abschnitte der Stadtmauer zu bewachen und ihre Mitglieder entsprechend zu bewaffnen. Dieses enge Geflecht von Gemeinschaft, Pflichten und öffentlicher Präsenz der Zünfte fand sich auch im Fürstentum Transsilvanien, dem heutigen Rumänien. Dort trat der Schneider und notorische Denunziant Péter Gruz hervor, der sich selbst zum Hexenjäger ernannte. In Cluj-Napoca wurden die Leichen der Hingerichteten vor dem Schneiderbastionsturm[4] zur Schau gestellt – jenem Wehrturm, der von der ansässigen Schneiderszunft errichtet, finanziert und bewacht wurde.

Während Grets Ehemann als Metzger in diese schützende und verbindende Gemeinschaft eingebunden war, gab es für Hebammen keine vergleichbare Zunft. Sie standen außerhalb dieser Strukturen und waren dadurch weit weniger geschützt und integriert, was ihre gesellschaftliche Stellung deutlich schwächte. Trotz ihres privilegierten Status war Grets Leben nicht ohne Risiken. Als Hebamme bewegte sie sich in einem Spannungsfeld zwischen Anerkennung und Misstrauen. Ihr medizinisches Wissen und ihre „geheimnisvollen“ Praktiken konnten schnell Verdacht erregen, besonders wenn Geburten oder Behandlungen schiefgingen. Die sich wandelnde Atmosphäre mit dem Aufkommen von Hexenverfolgungstheorien machte Frauen in ihren Berufen zunehmend verwundbar.

Dennoch genoss Gret wahrscheinlich mehr Respekt und Anerkennung als andere Hebammen. Durch ihre Heirat umfasste ihr Netzwerk verschiedene gesellschaftliche Schichten: Sie hatte vermutlich wohlhabende Handwerkerfamilien, Zunftmitglieder und Patrizierfamilien als Kundinnen ihrer Hebammentätigkeit, und ebenso einfache Bürger als Kunden des Metzgergeschäfts. So kannte sie mehr Geschichten als viele andere – die Geschichten zweier Welten – eine Rolle, die sowohl Einfluss als auch Verantwortung mit sich brachte. Ihre Position als Hebamme verschaffte ihr Zugang zu den intimsten Geheimnissen der Basler Familien. Sie wusste über Schwangerschaften, Familienprobleme und private Angelegenheiten Bescheid – Wissen, das ihr sowohl Macht als auch Gefährdung einbrachte.

Die Metzger: Zwischen Wohlstand und gesellschaftlicher Ambivalenz

Die Metzgerzunft nahm in Basel eine besonders interessante Position ein. Metzger wie der Ehemann von Gret Fröhlicher gehörten zu den wohlhabenderen Handwerkern der Stadt. Sie verfügten über beträchtliche finanzielle Mittel, da Fleisch ein kostbares und begehrtes Gut war, gleichzeitig aber über ein Handwerk, das gesellschaftlich ambivalent betrachtet wurde. Metzger arbeiteten – so wie auch die Hebammen – in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Marginalisierung. Ihr Handwerk war notwendig, aber auch mit Unreinheit und Tod assoziiert. Als wohlhabende Metzersfrau und Hebamme lebte Gret also in einer bemerkenswerten Dualität.

«Hexenmeister» Hans Müller von Fürfeld – Lügner und „schändlicher Verleumder“

Sein Name tauchte erstmals im Zusammenhang mit dem Fall Gret Fröhlicher auf. Hans Müller von Fürfeld (auch Meister Hans von Furnfelt oder Hans Schach aus Fürfeld) war ein selbsternannter Hexenjäger des 15. Jahrhunderts und gehörte mit zu den ersten Menschen, die sich als „professionelle Hexenverfolger“ verkauften. Er unterstützte gedankenlos alle Arten von Anschuldigungen gegen verdächtige Personen und gab sich als eine Art Gutachter bei Hexereivorwürfen aus. Sein Werdegang lässt jedoch erkennen, dass er darin wenig Geschick bewies. Seine vermeintlichen Fähigkeiten entpuppten sich rasch als bloße Angeberei, und schon kurz nach seinem ersten Auftreten schenkte man seinen Behauptungen keinen Glauben mehr.

Müller bezeichnete sich selbst als jemand, der die besondere Fähigkeit zu besitzt, Hexen erkennen zu können. Es wurde ihm nachgesagt, er könne alle Hexen eines Landes in einem einzigen Kreis versammeln. Für ihn selbst schien die Tätigkeit offenbar als lukrativ genug, um sich in Basel und Umgebung einen Namen damit zu machen. Basel bot zu dieser Zeit einen lukrativen Markt für solche Dienstleistungen, da die Stadt in einer frühen Phase der Hexenverfolgung stand und Unsicherheit über den Umgang mit Hexereivorwürfen herrschte. Basel befand sich im 15. Jahrhundert in einer Phase politischer Umbrüche. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialen Spannungen in der Region Basel während des 15. Jahrhunderts schufen ein Klima, in dem Sündenböcke gesucht wurden. Wandernde «Experten» wie Müller konnten von dieser Nachfrage profitieren, indem sie ihre angeblichen Fähigkeiten als Hexenjäger anboten. Die Stadt kämpfte um ihre Unabhängigkeit vom Bischof und erlebte interne Machtkämpfe zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und hatte nicht viel Ressourcen für die Hexenverfolgung über. Zudem waren die rechtlichen Grundlagen für Hexenprozesse noch nicht etabliert. Der Malleus maleficarum von Kramer sollte erst 36 Jahre später erscheinen. Dies bot Möglichkeiten für selbsternannte Experten, sich als Autoritäten zu positionieren und ihre Dienste anzubieten. Diese Instabilität schuf ein Umfeld, in dem irrationale Ängste und Verschwörungstheorien gedeihen konnten und Hardliner schnell als Retter oder Führer wahrgenommen wurden.

Scheinbar kannte sich Müller selbst etwas mit Kräutern aus. Angeblich heilte er den Basler Oberstknecht Peter zum Blech – vermutlich einen Sicherheitsbeamten oder Stadtvogt – von dessen Hexenschuss[1]. Dieses Ereignis öffnete ihm den Zugang zur Stadtverwaltung, und aus Dankbarkeit nahm ihn der Oberstknecht in deren Reihen auf[2].

Gret Fröhlicher hatte wohl das Unglück, als erste Frau nach dem Auftauchen Müllers in Basel als Hexe diffamiert zu werden. Der selbsternannte Hexenmeister griff die bestehenden Vorurteile sofort auf und unterstützte die Anschuldigungen ihrer Schwiegertochter. Mit dem heftigen Widerstand, der ihm entgegenschlagen sollte, hatte er jedoch nicht gerechnet. Zwar wurde Gret gefoltert, doch sie legte kein Geständnis ab. Da sie zudem nicht mittellos war, konnte sie sich rechtlichen Beistand leisten – und tat dies auch. Am Ende gewann sie die Verleumdungsklage, während Müller, der vermeintliche Hexenexperte, aus Basel verbannt wurde.

Müller zog weiter ins (heute französische) Straßburg, wo er wiederum vergeblich versuchte, Hexenverfolgungen auszulösen. Das war im Jahr 1451 für einen Deutschsprachigen kein Problem, denn im Straßburg des Heiligen Römischen Reichs wurde ein deutscher Dialekt gesprochen. Müller beschuldigte auch dort wieder angesehene Frauen, und wollte sie für das verheerende Hagelunwetter von 1451 verantwortlich machen – jedoch ohne Beweise[3]. In dieser frühen Phase des Hexenwahns stießen Methoden wie die seinen noch auf Widerstand – ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerung erst nach und nach durch wachsende Angst so eingeschüchtert wurde, dass sie sich in der späteren Zeit der Verfolgungen kaum mehr zu widersprechen wagte. Bereits im Jahr nach der Verleumdung Gret Fröhlichers, also 1451, wurde Müller schließlich „wegen vermehrter Anklagen“ verurteilt und hingerichtet. Er wurde genau auf die Weise hingerichtet, wie es die vermeintlichen Hexen erleiden sollten, die von ihm verleumdet worden waren: Man nähte ihn in einen Sack und ertränkte ihn 1451 in Straßburg (am Pont du Corbeau, der Richtstätte der Stadt).

Nochmalige Anklage und Hinrichtung 1458

Trotz ihres Freispruchs hielten sich in Basel weiterhin die Gerüchte, was vermutlich die Ehe von Gret zerbrechen ließ. Gret zog daraufhin nach Pratteln – wohl auch deshalb, weil sie nach ihren Erfahrungen eine innere Bindung zu diesem Ort verspürte. Seit acht Jahren selbst als Hexe verschrien, hatte sie gehört, dass sich dort zahlreiche ihresgleichen aufhielten. Sicherlich waren ihr auch die Geschichte der Pratteler Matt bekannt, jene sogenannte Hexenwiese, auf der sich die Hexen angeblich trafen. In Pratteln betätigte sich Gret als Hebamme. Doch ihr Ruf aus Basel eilte ihr nach.

In Pratteln wurde Gret nicht mehr als wohlhabende Metzgersfrau gesehen, sondern als alleinstehende Hebamme. Als alleinstehende Frau war Gret Fröhlicher bereits per se verdächtig. Geschiedene oder verwitwete Frauen ohne männlichen Schutz galten im 15. Jahrhundert als gesellschaftlich problematisch und waren häufiger Zielscheibe von Hexereianschuldigungen. Grets Beruf verstärkte diese Verdächtigungen. Der Grund lag im zeitgenössischen Glauben, Hexen würde für ihre Rituale mit dem Teufel oft Babys oder kleine Kinder verwenden. Die hohe Kindersterblichkeit bei Geburten wurde oft als Beleg für angebliche Schadenzauber gedeutet.

Im Jahr 1458 wurde Gret Fröhlicher ein zweites Mal der Hexerei angeklagt, und dieses Mal verurteilt und hingerichtet. Vermutlich wurde sie, wie zu dieser Zeit noch üblich, in einen Sack genäht und im Rhein ertränkt.

Für die Verurteilung von Gret Fröhlicher 1458 war mutmaßlich Hans Bernhard von Eptingen verantwortlich. Er stammte aus dem alemannischen Adelsgeschlecht von Eptingen und hatte 1464 den gesamten Pratteler Besitz (Wasserschloss) erworben. Als Gerichtsherr von Pratteln übte er dort die Blutgerichtsbarkeit aus und war damit befugt, Todesurteile zu verhängen.

Juristische Rehabilitierung „nicht möglich“.

Mehrfach eingereichte Gesuche um eine offizielle Wiederherstellung der Unschuld von vermeintlichen Hexen aus Basel wurden mit der Begründung abgelehnt, die Quellenlage sei zu lückenhaft und viele Prozessakten nicht mehr vorhanden. Wir sprechen hier wohlbemerkt von Verfahren, in denen Frauen wie zum Beispiel Ita Lichtermutt[9] beschuldigt worden waren, auf Wölfen zu reiten oder Hagelstürme zu verursachen.

Am 22. März 2019 wurde schließlich auf Initiative der Großrätin Brigitta Gerber (Frauenstadtrundgang Basel) beim Käppelijoch auf der Mittleren Brücke[8] eine Gedenktafel eingeweiht[6]. Von offizieller Seite wird dieser Akt als „symbolische Rehabilitierung“ bezeichnet.

Gerade im Fall von Gret Fröhlicher, die nachweislich von einem selbsternannten „Hexenjäger“ verleumdet und anschließend freigesprochen wurde, während dieser selbst wegen falscher Anschuldigungen verurteilt wurde, ließe sich doch eigentlich eine tatsächliche Rehabilitation begründen.

„Immer wieder ist also zu sehen, daß es bei der neuzeitlichen Hexenverfolgung um ein bei den Frauen überrepräsentiertes, aber doch keineswegs monopolisiertes Wissen geht.“

Die Vernichtung der weisen Frauen, von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger


Literatur zu Gret Fröhlicher:
Stadtgeschichte Basel
Verfolgt, getötet, spät geehrt: Basel gedenkt mit einer Tafel beim Käppelijoch der Opfer der Hexenverfolgung – Basler Zeitung
Rechtliche Rehabilitation für Basler Hexen erweist sich als schwierig – Aargauer Zeitung

Quellen:
[1] Geschichte der Stadt Basel, Zweiter Band, 1916, Meister Hans von Furnfelt, wikisource
[2] Käppelijoch: Ein Mahnmal für die Basler «Hexen», Naomi Gregoris, bzbasel.ch
[3] Les premiers procès en alsace (Die ersten Prozesse im Elsass), paysdebarr.fr
[4] Hexenprozesse in Rumänien, Peter Gruz, Schneiderbastionsturm, weiberkraft.com
[5] Frauenstadtrundgang Basel
[6] Einweihung der Gedenktafel für die Opfer der Hexenverfolgung, bs.ch
[7] Anzug Brigitta Geber und Konsorten betreffend «Rehabilitierung der Opfer von Hexenverfolgung in Basel», grosserrat.bs.ch
[8] Hexenverfolgung in Basel, Gedenktafel in Basel, wikipedia
[9] Ita Lichtermutt, Die Wolfritterin, weiberkraft.com


Bild: KI