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Isobel Gowdie

Ein Kopf voller Geschichten, ein Herz voller Zauber

Opfer der großen schottischen Hexenjagd


Die schottische Bäuerin Isobel Gowdie aus Auldearn lieferte sich selbst an die Inquisition aus. Sie legte freiwillig und ohne Zwang ein Geständnis ab, das in seiner Detailfülle und fantastischen Erzählweise beispiellos war – sowohl in ihrer Zeit als auch in den Jahrhunderten danach. Es existieren keine gesicherten Aufzeichnungen über Isobel Gowdies Hinrichtung. Es liegt jedoch nahe, dass sie im Jahr 1662 gemeinsam mit den von ihr benannten Mitgliedern ihres „Zirkels“ in Gallowhill gehenkt und anschließend verbrannt wurde.

Isobel Gowdie

⛤ 1662, Schottland

Isobels Erzählungen geben einen tiefen Einblick in die volkstümlichen Legenden über Hexen jener Zeit. Viele ihrer Schilderungen enthalten Elemente aus keltischen Mythen und Volksmärchen und haben unzählige Romane, Märchen, Gedichte, Theaterstücke und musikalische Werke inspiriert. In Schottland gilt sie als eine ebenso bedeutende Quelle für Volksüberlieferungen, wie es in Deutschland die Märchen der Gebrüder Grimm sind.

So berichtete Isobel, gemeinsam mit anderen Hexen auf Maisstrohhalmen und Bohnenstangen zu Hexensabbaten geflogen zu sein, wobei sie den Spruch „Horse and Hattock, in the devil’s name!“ rief. Wer sie dabei entdeckte, ohne sich rechtzeitig zu bekreuzigen, wurde mit Elfenpfeilen beschossen – eine verbreitete Vorstellung aus der keltischen Mythologie. Isobel soll Menschen verhext haben, indem sie Nadeln in Puppen stach. Sie soll Stürme entfacht haben, indem sie mit Lumpen auf Steine schlug. Wenn ihr langweilig war, so behauptete sie, habe sie sich zur Unterhaltung in eine Katze oder einen Hasen verwandelt.

In Literatur, Okkultismusforschung, Anthropologie und Sozialwissenschaft existieren zahlreiche Theorien darüber, warum Isobel Gowdie sich selbst der Inquisition stellte. Die Anthropologin Margaret Murray vertrat die Hypothese, dass Isobel die letzte Überlebende einer alten heidnischen Tradition gewesen sein könnte und ihre beschriebenen Rituale auf heidnische Praktiken zurückgehen.

Eine sozialwissenschaftliche Interpretation wiederum legt nahe, dass ihre Geschichte möglicherweise aufgrund wirtschaftlicher Motive konstruiert wurde. Dafür spricht, dass in den Prozessakten überliefert ist, dass sie von 12 hochrangigen Männern vor Gericht gestellt wurde und 12 Mitglieder ihres Hexenzirkels genannt haben soll – die 12, eine Zahl, die im katholischen Kontext traditionell mit dem Letzten Abendmahl assoziiert wird – könnte dabei eine symbolische Bedeutung gehabt haben.

Eine psychiatrische Theorie legt nahe, dass Gowdie als Folge von Missbrauch, Gewalt oder gesellschaftlicher Unterdrückung in eine Welt irrationaler Fantasien geflüchtet war und ihr Gang vor Gericht eine extreme Form der emotionalen Entladung darstellte. Zudem wird diskutiert, ob ihr Geständnis das Ergebnis von Autosuggestion oder einer ekstatischen Vision war, zumal religiöse Erweckungserlebnisse in jener Zeit keine Seltenheit waren.

Andererseits gibt es eine Theorie, dass Isobel an Ergotismus oder Antoniusfieber gelitten haben könnte, einer Krankheit, die durch die Einnahme von Mikotoxinen verursacht wird, die in Roggen und anderen Getreidesorten vorkommen. Zu den Symptomen dieser Erkrankung gehören Halluzinationen, Krampfanfälle und Gewebenekrose. Tatsächlich waren diese Vergiftungen in der vorindustriellen Gesellschaft, in der minderwertiges Roggenbrot oft gegessen wurde, weit verbreitet.

„Suchen wir nach, so finden wir, daß fast alle Reiche der Erde durch die Weiber zerstört worden sind.“
Heinrich Kramer, Malleus Maleficarum, 1486


Literatur zu Isobel Gowdie: