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Katharina Roboschkin

Musste die obsessiven Folterspielchen des Sadisten Boblig ertragen

Opfer der Hexenprozesse in Velké Losiny


Katharina Roboschkin wurde um 1680 durch eine unter Folter erzwungene Aussage einer anderen Frau der Hexerei beschuldigt. Sie wurde ebenfalls gefoltert und schließlich in Prag der Hexerei für schuldig befunden. Katharina wurde bei lebendigem Leibe verbrannt.

Katharina Roboschkin

⛤ 1680, Tschechien (Österreich)

In Velké Losiny (Groß Ullersdorf), einer tschechischen Gemeinde, die schon damals für seine Schwefelquellen bekannt war, wütete die Inquisition unter der Leitung eines österreichischen Kardinals (Karl von Liechtenstein-Kastelkorn) und eines österreichischen Rechtsanwalts und Inquisitors (Heinrich Franz Boblig von Edelstadt) besonders grausam. Diesem Treiben fielen hunderte Frauen zum Opfer. Darunter auch die alte Schützin Katharina Roboschkin. Ein Großteil der armen Frauen wurden angeklagt, am Hexensabbat am Peterstein (Petrovy kameny) teilgenommen zu haben.

Boblig war eine sadistische Persönlichkeit. Er verknüpfte bewusst Macht und Sexualität miteinander und nutzte Folter, um seine persönlichen Obsessionen auszuleben. Als Rechtsanwalt verfügte Boblig über die Autorität, sogenannte Hexengebete in die Gesetzestexte einzufügen, um diese als unmittelbare „Beweise“ für das Wirken von Hexen zu präsentieren. Um seinen krankhaften Neigungen nachgehen zu können, stattete er diese Hexengebete mit einem stark sexuellen Charakter aus. Sie ermöglichten es ihm, Frauen unter Folter zu obszönen Aussagen zu zwingen, was ihm zugleich eine perverse Befriedigung verschaffte.

In den unter Bobligs Leitung durchgeführten Folterverhören zeigt sich seine krankhafte Obsession zu obszönen Inhalten. Die überlieferten Dokumente aus dem Landesarchiv in Opava zeigen, dass in den Verhören häufig die Geschlechtsorgane erwähnt und detaillierte Schilderungen sexueller Handlungen verlangt wurden. Die Frauen wurden gezwungen, erotisch aufgeladene Geständnisse abzulegen. Dabei wurde immer wieder detailliert nach Geschlechtsverkehr mit dem Teufel und orgiastischen Sabbaten am Petersberg gefragt. Bobligs Fixierung auf sexuelle Aspekte der Hexenprozesse entlarvt ihn als psychisch gestörte Persönlichkeit, deren sadistische und voyeuristische Neigungen durch die Macht der Inquisition ungehindert ausgelebt werden konnten.

Über Katharina Roboschkin ist nur wenig bekannt, doch eine abweichende Schreibweise ihres Namens könnte darauf hindeuten, dass sie möglicherweise aus einer adligen Familie stammte. Wenn dem so war, könnte der in alten Texten vor ihrem Namen stehende Beiname „alte Schützin“ darauf hindeuten, dass sie als Jägerin oder Wildhüterin tätig war, ebenso möglich ist, dass „Schütz“ Katharinas Mädchenname war.

Die Methode, eine Untersuchung durch Folter zu beginnen, ist die folgende: Zuerst bereiten die Kerkermeister die Folterwerkzeuge vor, dann entkleiden sie den Gefangenen. Dieses Entkleiden geschieht, damit nicht irgendwelche Mittel der Hexerei in die Kleidung eingenäht werden, wie sie oft, vom Teufel gelehrt, aus den Körpern ungetaufter Säuglinge zubereitet werden, damit sie das Heil verwirken können. Und wenn die Folterwerkzeuge vorbereitet sind, versucht der Richter, sowohl persönlich als auch durch andere gute Männer, die im Glauben eifrig sind, den Gefangenen zu überreden, die Wahrheit freiwillig zu gestehen; wenn er aber nicht gestehen will, befiehlt er den Bediensteten, den Gefangenen an den Strapado oder ein anderes Folterwerkzeug zu binden. Die Bediensteten gehorchen sofort, aber mit gespielter Erregung.
Heinrich Kramer, Malleus Maleficarum, 1486


Literatur zu Katharina Roboschkin:
Karl II von Liechtenstein-Kastelkorn, wikipedia
Hexenprozesse von Groß-Ullersdorf, wikipedia
Kronika jednoho šílenství (Chronik eines Wahnsinns, tschechisch, alza.cz
Jindřich František Boblig z Edelstadtu (Heinrich Franz Boblig von Edelstadt), tschechisch, wikipedia
Velké Losiny, wikipedia
Malleus Maleficarum, history.hanover.edu