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Sarah Bishop

„So unschuldig wie das ungeborene Kind!“

Angeklagte in den Hexenprozessen von Salem


Die 41-jährige Wirtin und zwölffache Mutter Sarah Bishop aus Salem wurde gemeinsam mit ihrem Mann der Hexerei bezichtigt und im April 1692 inhaftiert. Sarah wird häufig mit Bridget Bishop verwechselt, die ebenfalls in Salem der Hexerei angeklagt, jedoch hingerichtet wurde.

Sarah Bishop konnte am 7. Oktober gemeinsam mit ihrem Mann Edward Bishop aus dem Gefängnis entkommen und im Januar 1693 in ihr Haus zurückkehren. Edward Bishop wurde lediglich wegen des Betriebs einer nicht lizenzierten Taverne mit einer Geldstrafe belegt.

Sarah Bishop
⛤ 1692, USA ⛤

SALEM VILLAGE
Hoheitsgewalt: englische Krone unter den gemeinsamen Monarchen William III. und Mary II.
Herrschaftsform: Monarchie mit Parlament in England, Kronkolonie/royal province mit vom Königspaar eingesetzter Kolonialregierung
Landesherrschaft: Province of Massachusetts Bay als englische Kolonie unter dem Charter von 1691
Reichszugehörigkeit:
Reichskreiszugehörigkeit:
Höchste kirchliche Autorität: die Autorität lag grundsätzlich bei der jeweiligen Ortsgemeinde
Regionale kirchliche Autorität:
Reverend Samuel Parris, Pfarrer von Salem Village, puritanischer Geistlicher
Höchste weltliche Autorität: die Monarchen William III. und Mary II.
Höchste regionale weltliche Autorität: auf Provinzebene der von der Krone eingesetzte Gouverneur Sir William Phips,
High Sheriff George Corwin („Magistrat“), vollzog in den Hexenprozessen Haft- und Hinrichtungsanordnungen, Salem Village war kein eigener Ort, sondern ein Teil von Salem, wesentliche weltliche Zuständigkeiten lagen daher bei Salem Town
Weitere Beteiligte:
Doktor William Griggs
„Friedensrichter“ John Hathorne („Magistrat“)
Deputy Gouverneur Thomas Danforth
Richter Samuel Sewall
Reverend John Hale, Pfarrer von Beverly, puritanischer Geistlicher
Reverend Francis Higginson, Pfarrer von Salem Town, puritanischer Geistlicher
Reverend Nicholas Noyes II, Pfarrer von Salem Town, puritanischer Geistlicher
Thomas Putnam (aktivste Ankläger)
Joseph Putnam (aktiver Ankläger und Verwandter von Thomas und Ann Putnam)
Edward Putnam (aktiver Ankläger und Verwandter von Thomas und Ann Putnam)
Ann Putnam („betroffenes Mädchen“)
Elizabeth Hubbard („betroffenes Mädchen“, sehr häufige Zeugin mit zahlreichen Aussagen gegen Angeklagte)
Mary Walcott („betroffenes Mädchen“, wiederholt als Anklägerin und Zeugin genannt)
Mercy Lewis („betroffenes Mädchen“, besonders aktiv bei schweren Anschuldigungen, auch bei Todesurteilen)
Leutnant und Dorftavernenbesitzer Nathaniel Ingersoll

Die temperamentvolle Sarah Bishop, eine Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Taverne („ordinary“) in Salem Village führte und für ihre unverblümte Art und ihre Freizügigkeit bekannt war, wurde der Hexerei bezichtigt. Beim Verhör antwortete Sarah auf die Frage, ob sie Hexerei begangen habe, frech: „Ich bin so unschuldig wie das ungeborene Kind“, was man ihr aufgrund ihrer Eskapaden jedoch nicht so recht abnehmen wollte.

Aufreizende Gewänder in scharlachroter Farbe – ein unerhörter Affront gegen Sitte und Ordnung

In die Fänge der Hexenverfolgung geriet Sarah Bishop gemeinsam mit ihrem Mann Edward, da sie in der Gemeinde wegen ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Moralvorstellungen, Gerede und Regeln auffielen. Noch dazu trat Sarah offen auf und trug oft aufreizende Kleidung in roter Farbe[1], wofür sie immer wieder in Schwierigkeiten geriet. Viele Bürger der streng puritanischen Gemeinde lehnten ihren lockeren Lebensstil ab und betitelten sie als sündhaft. Schon alleine, dass sie eine Taverne führten, in der Alkohol ausgeschenkt und Shuffleboard gespielt wurde, machte Sarah und Edward in den Augen vieler Gemeindemitglieder verdächtig. Besonders bei den Nachbarn, die vieles von ihrem Lebensstil mitbekamen, regte sich Widerstand. Im Jahr 1689, zu der Zeit, als Salem Village noch keinen eigenen Pfarrer hatte, wandte sich Christian Trask, die von Glaubenswahn getriebene Nachbarin der Bishops, an Reverend John Hale, den Pfarrer der Kirche von Beverly, um ihn darum zu bitten, Sarah vom Abendmahl in der Kirche auszuschließen, da sie ein lasterhaftes Leben in einem sittenverderblichen Haus führen würde. Einige Wochen später wurde sie tot in ihrem Haus aufgefunden. Der Aussage einer Freundin zufolge verbrachte Christian die letzten Tage vor ihrem Tod damit, wie besessen in den Prophezeiungen der Bibel zu lesen, als suche sie dort wahnhaft nach einem Zeichen. Kurz darauf nahm sie sich das Leben.

Stehlen, trinken, lügen und betrügen – alles unter dem Mantel vermeintlicher Gottesfurcht

Sarah lebte in Salem Village in einem Klima, das lange vor den Hexenverfolgungen vergiftet war[2]. Der Dorfquerulant Jeremiah Watts beklagte schon 10 Jahre zuvor die Spaltung der Gemeindemitglieder und die zugespitzte Stimmung: „Bruder gegen Bruder, Nachbarn gegen Nachbarn“[2]. In einem Kirchenbuch wird festgehalten, dass es in Salem Village „lange und unangenehme Differenzen“ gab[3]. Es herrschte ein Sittenbild, in dem Streit, Lagerbildung und moralisch-religiöse Konflikte zum Alltag gehörten. In den späten 1680ern rügte ein Schiedsgremium die vergiftete Kommunikationskultur („uncharitable expressions…“) im Village[3]. Es wurde gestohlen[7], getrunken[6], belogen und betrogen. Und der überwiegende Teil der Einwohner bestand aus fanatischen Puritanern, bei denen sich Frömmigkeit in Wahnhaftigkeit gesteigert hatte.

Es gab zahlreiche Konflikte, die parallel bestanden und über lange Zeit immer wieder neu aufflammten. Zunächst standen sich zwei Lager gegenüber[8]: Auf der einen Seite jene, die eine stärkere Autonomie von Salem Village anstrebten (Putnam-Netzwerk), auf der anderen Seite jene, die sich stärker an der Welt von Salem Town mit ihren Handels- und Politikbeziehungen orientierten (Porter-Netzwerk). Daneben gab einen langwierigen Pfarrer-/Minister-Konflikt, der wiederholt an den Fragen zur Bezahlung eskalierte. Hinzu kam ein Konflikt um gewerbliche Zulassungen, der unter den Tavernenbetreibern ausgetragen wurde. Entgegen der allgemeinen Meinung war das puritanische Salem, egal ob Salem Village oder Salem Town, kein Ort der Abstinenz. In den Tavernen („ordinaries“) in Neuengland war es üblich, dass man neben Essen und Übernachtung auch alkoholische Getränke bekam. Aber solche Häuser wurden durch Lizenzpflicht und Sanktionen gegen Trinkgelage und Spiele streng reguliert. Behörden klagten die „Häuser der allgemeinen Unterhaltung“ zum Beispiel wegen „Unordnung“ („disorder“) und „Verschwendung von Wein und Bier“. Es kam zu zahlreichen Verurteilungen wegen Trunkenheit[6].

In Salem gab es unzählige Tavernen, und zwar sowohl lizenzierte als auch unlizenzierte[5]. Das Haus von Sarah Bishop und ihrem Mann Edward war bei weitem nicht die einzige unlizenzierte Taverne in Salem. Es gab davon so viele, dass das Gericht die Ordnungshüter – Constables, Tithingmen und Selectmen – in einem Schreiben ausdrücklich anwies, jede Person zu melden, die eine nicht lizenzierte Taverne betrieb[5]. Zugleich machte das Schreiben deutlich, dass aufgrund der Vielzahl an Tavernen keine neuen Schankerlaubnisse erteilt und die laufenden Lizenzen mancher Ordinaries bei Ablauf nicht erneuert werden sollten. Die Ordinaries sollten damit auf eine Menge begrenzt werden, die „im jeweiligen Ort notwendig sind“[5].

Die Bishops als unerwünschte Rivalen des Miliz-Leutnants

Der Dorfwirt Nathaniel Ingersoll musste sich darüber keine Gedanken machen. Aufgrund seiner zentralen Stellung in Salem Village und seines hohen Ansehens konnte er fest davon ausgehen, dass seine Lizenz nicht ernsthaft infrage gestellt würde und ein Entzug für ihn praktisch ausgeschlossen war. Er hatte noch weitere wichtige Posten im Dorf inne. Als Miliz-Lieutenant wusste er, wie man anderen Respekt einflößte, und als Diakon verkörperte er die moralische Autorität der Gemeinde. Er wachte über Sitte und Ordnung und konnte damit auch das soziale Klima und die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflussen. Sein „Ordinary“ war nicht nur ein Ort zum Trinken, sondern auch der Schauplatz früher Vorgänge rund um die Verhaftungen und Anhörungen von mutmaßlichen Hexen.

Dennoch war es ihm ein erheblicher Dorn im Auge, dass Sarah und Edward zu seiner direkten Konkurrenz wurden. Dank seiner Verbindungen bis in die höchsten lokalen Ämter begann er gezielt gegen die neue Konkurrenz zu intrigieren und ließ nichts unversucht, den Ruf der beiden nachhaltig zu beschädigen. Er sprach häufig und ausführlich über die Bishops, vor allem in seiner Dorftaverne, die als zentraler Treffpunkt der Amtsträger diente und in der sich Meinungen formten und verbreiteten. In dieser Atmosphäre begannen Gerüchte ein Eigenleben zu entwickeln. Was als beiläufige Bemerkung am Schanktisch begann, verdichtete sich rasch zu festen Überzeugungen, die von Mund zu Mund weitergetragen wurden. Ingersoll wusste genau, welche Worte er wählen musste und bei wem sie Wirkung zeigten. Er stellte Fragen, statt offene Anschuldigungen zu formulieren, ließ Zweifel anklingen und verband sie geschickt mit den ohnehin bestehenden Spannungen im Dorf.

Bald galten die Bishops nicht mehr nur als unliebsame Konkurrenten, sondern als moralisch fragwürdige Außenseiter. Ihre Taverne wurde als Ort der Ausschweifung beschrieben, ihr Lebenswandel als Provokation gegenüber den puritanischen Normen gedeutet. Besonders Sarah Bishop rückte zunehmend in den Fokus, da sie sich weder zurückhielt noch bereit war, sich dem stillschweigenden Anpassungsdruck zu unterwerfen. Ingersolls Dorftaverne wurde zum Knotenpunkt dieser Entwicklung. Hier traf sich alles, was im Dorf Rang und Namen hatte, hier wurden Beschwerden gesammelt, Verdachtsmomente ausgetauscht und Narrative verfestigt. Was dort ausgesprochen wurde, fand wenig später Eingang in offizielle Gespräche und schließlich auch in formale Anschuldigungen. Die Grenze zwischen wirtschaftlicher Rivalität, persönlicher Abneigung und religiösem Verdacht verwischte zunehmend. In einem Dorf, das ohnehin von Angst, Misstrauen und innerer Spaltung geprägt war, reichte dies aus, um aus Gerüchten gefährliche Wahrheiten werden zu lassen.

Doch auch die Bishops verfügten über familiäre Verbindungen zu lokalen Amtsträgern. Edward Bishop Jr. war der Sohn von Edward Bishop Sr., der im Jahr 1660 in den Unterlagen als Ortspolizist (Constable) verzeichnet ist[4]. Dieser Hintergrund verschaffte der Familie offenbar über Jahre hinweg einen gewissen Schutz. Dieser Schutz erwies sich jedoch als brüchig. Solange Konflikte auf der Ebene von Nachbarschaftsstreitigkeiten, wirtschaftlicher Konkurrenz oder moralischer Missbilligung ausgetragen wurden, reichten familiäre Verbindungen offenbar aus, um die Bishops vor ernsthaften Konsequenzen zu bewahren. Beschwerden verliefen im Sande, Anzeigen wurden nicht weiterverfolgt oder verloren sich im Dickicht der lokalen Zuständigkeiten.

Ein geeigneter Anlass, um die Bishops loszuwerden

Bis zum Frühjahr 1692. Ab diesem Zeitpunkt versagten vom lokalen Gemeinwesen bis hin zu den übergeordneten Autoritäten alle Instanzen. (Die Vorgeschichte dieser Ereignisse kann hier nachgelesen werden.) Ein idealer Zeitpunkt, um die Spielregeln zu verändern.

Im Jahr 1692 reichten die Landwirte, Sergeant Thomas Putnam und John Buxton aus Salem Village eine formelle Beschwerde gegen Edward Bishop Jr. und seine Frau Sarah ein. In der Klageschrift beschuldigten sie Sarah (neben anderen Verdächtigen), drei der „betroffenen Mädchen“ verhext zu haben. Die Anfälle der „betroffenen Mädchen“ bildeten den unmittelbaren Anlass für die Verhaftung von Edward und Sarah.

Die wachsende Nervosität im Dorf, verschärft durch religiöse Spannungen und persönliche Feindschaften, ließ alte Loyalitäten erodieren. Amtsträger, die zuvor gezögert hatten, Stellung zu beziehen, sahen sich nun unter Druck gesetzt, Härte zu zeigen und Verdachtsmomenten nachzugehen, um nicht selbst in den Ruf der Nachlässigkeit oder gar der Komplizenschaft zu geraten. So verlor das Netzwerk, das die Bishops über Jahre hinweg gestützt hatte, Schritt für Schritt seine Wirkung. Als sich die Anschuldigungen schließlich nicht mehr nur auf moralisches Fehlverhalten, sondern auf Hexerei richteten, wog familiäres Ansehen kaum noch etwas. Die Mechanismen, die zuvor Schutz geboten hatten, griffen nicht mehr.

Auch der Pfarrer sagte gegen Sarah Bishop aus

Schließlich schaltete sich auch Reverend John Hale, der Pfarrer von Beverly, in das Verfahren ein und legte eine belastende Zeugenaussage gegen Sarah Bishop ab. Darin schilderte er die Umstände rund um den Tod von Christian Trask, der wahnhaft religiösen Nachbarin Sarah Bishops. Der Reverend erinnerte sich daran, dass Christian Trask 5 oder 6 Jahre zuvor die Taverne von Sarah Bishop besucht hatte und danach verwirrt gewirkt habe. Diese Verwirrtheit erschien ihm vergleichbar mit den Anfällen, die nun im Verfahren gegen Sarah auch bei den sogenannten „betroffenen Mädchen“ („affected girls“) beobachtet wurden. Der Reverend hatte Christians Leiche gesehen. Seinen Ausführungen zufolge war die Luftröhre herausgeschnitten, die Speiseröhre angeschnitten und die große Blutader am Hals durchtrennt worden. Die Tatwaffe dürfte eine Schere gewesen sein. Hale gab bei der Zeugeneinvernahme zu Protokoll, dass dies für ihn ein Werk des Teufels war. Für ihn stand fest: Christian konnte sich das nicht selbst zugefügt haben.

Den Bishops gelang die Flucht – auf bemerkenswert stille Weise

In den Gerichtsunterlagen ist ein Haftbefehl überliefert, der ausdrücklich an den „Goal-keeper in Salem“ gerichtet ist und anordnet, Edward Bishop „of SalemVillage“ und „Sarah his Wife“ in „safe custody“ zu nehmen, „in order to their further Examination“[9]. In den überlieferten Aussagen findet sich auch der Hinweis, dass Edward Bishop und seine Frau „both now in prison under suspicion of witchcraft“ seien, was die Haftlage ebenfalls dokumentiert[10]. Zur Flucht selbst geben spätere Darstellungen zwar ein Ergebnis, aber kaum ein „Wie“: Das Salem Witch Museum hält fest, dass Sarah und Edward Bishop am 7. Oktober 1692 aus dem Gefängnis entkamen und dadurch der Hinrichtung entgingen, und dass Edward im folgenden Januar 1693 wieder in seinem Haus lebte und wegen einer unlizenzierten Taverne bestraft wurde[11]. Wenn sich dazu partout keinerlei Spuren finden lassen, ist es meistens ein ziemlich deutlicher Hinweis dafür, dass hier nachgeholfen wurde.

Eine gespaltene Gemeinschaft macht auf Dauer krank. Und sie ist auch gefährlich. Es reicht nur ein kleiner Funken, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Salem bestand aus fanatischen Puritanern, die hinter jedem Ereignis das Wirken des Teufels vermuteten. Sie waren sogar mit der Vorstellung nach Neuengland gekommen, sie würden in ein Land ziehen, das vom Teufel beherrscht sei. Eine derart wahnhafte Frömmigkeit und eine allgegenwärtige Angst vor dem Teufel sind keine guten Voraussetzungen für eine funktionierende Gemeinschaft. Wenn sich Wahnvorstellungen durch Suggestion von einem Menschen auf den anderen übertragen und sich Betroffene dabei gegenseitig in ihrem Wahn bestärken, kann daraus eine Massenpsychose entstehen. Und in einer Massenpsychose sucht man die Vernunft vergebens. Es ist gut möglich, dass in diesem kranken Umfeld die Unangepassten, die Frechen, die Lauten, die Groben und die Betrunkenen in Wahrheit die Gesunden waren.

Verwechslung von Sarah Bishop und Bridget Bishop

In der historischen Aufarbeitung der Salem-Prozesse kam es zu einer Verwechslung zwischen Sarah Bishop und Bridget Bishop. Dies passierte deshalb, da beide Frauen denselben Nachnamen trugen und jeweils mit einem Mann namens Edward Bishop (einmal Jun., einmal Sen.) verheiratet waren. Die 60-jährige Bridget Bishop (geb. um 1632) lebte jedoch in Salem Town und war die erste Person, die 1692 wegen Hexerei zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde (Galgentod am 10. Juni 1692). Die 41-jährige Sarah Bishop (geb. um 1651) hingegen lebte in Salem Village und führte dort mit Edward Bishop Jr. eine Schenke; sie wurde zwar im April 1692 verhaftet und angeklagt, entkam aber dem Galgen.

Die Ähnlichkeit der Namen führte dazu, dass Aussagen betreffend Sarah Bishop teils Bridget Bishop zugeschrieben wurden, und umgekehrt. Beispielsweise galt lange Zeit Bridget Bishop als diejenige, die in Salem ein berüchtigtes Wirtshaus betrieben und nächtliche Trinkgelage veranstaltet haben soll. Die zeitgenössischen Dokumente unterscheiden zwar teilweise zwischen “Bridget, wife of Edward Sr.“ und “Sarah, wife of Edward Jr.”, doch in der Hektik der Ereignisse von 1692 wurden Aussagen über eine “Goodie Bishop” teils falsch zugeordnet. So flossen offenbar lang gehegte Verdächtigungen oder Klatsch, die eigentlich Sarah Bishop betrafen, in die Zeugenaussagen gegen Bridget Bishop ein, obwohl es sich um eine gänzlich andere Person handelte. Moderne Historiker betonen daher die korrekte Zuordnung: Bridget Bishop hatte mit Sarah Bishops Tavernenskandal nichts zu tun. Für eigene Recherchen ist es sinnvoll, sich in erster Linie an der Unterscheidung Salem Town / Salem Village zu orientieren.

„Mit dem Ziel, die Natur zu beherrschen, musste die kapitalistische Arbeitsorganisation die Unvorhersehbarkeit ablehnen, die der Ausübung der Magie innewohnte. Ebenso die Möglichkeit, jemand könne eine privilegierte Beziehung zu den natürlichen Elementen herstellen und den Glauben an die Existenz von Kräften, die nur bestimmten Individuen zur Verfügung standen. Denn das hieße, dass man sie nicht verallgemeinern und ausbeuten könnte. Die Magie war auch ein Hindernis für die Rationalisierung des Arbeitsprozesses und eine Bedrohung für die Durchsetzung des Prinzips der individuellen Verantwortung. Vor allem aber erschien die Magie als eine Form der Arbeitsverweigerung, des Ungehorsams und als ein Instrument des Widerstands. Die Welt musste ‚entzaubert‘ werden, um beherrscht zu werden“.
Silvia Federici, aus „Caliban und die Hexe“


Quellen:
[1] „She is described as wearing >a black cap and a black hat, and a red paragon bodice,< bordered and looped with different colors. This would appear to have been rather a showy costume for the times.„, Salem Witchcraft, Charles W. Upham, Projekt Gutenberg, [i.193] (Bitte berücksichtigen Sie die häufige Verwechslung von Bridget und Sarah Bishop und bedenken Sie, dass sich dieser Fehler durch nahezu alle älteren historischen Darstellungen hindurchzieht.)
[2] A Documentary History of the Salem Village Witchcraft Outbreak of March 1692 by Richard B. Trask, salem.lib.virginia.edu
[3] Church Book Belonging to Salem Village, Author Samuel Parris, salem.lib.virginia.edu
[4] Brief history of the Bishop family : including the Clark, Truesdale, Trott, Marvin and Mather families / compiled by Anna Marvin Bishop in the year 1944, archive.org
[5] „to Salem about 14 Ordinaries & publick drinking Howses“, Records and files of the Quarterly Courts of Essex County, Massachusetts, 1678, archive.org
[6] „was fined for excess in drinking“, Records and files of the Quarterly Courts of Essex County, Massachusetts, 1678, archive.org
[7] „Margarett Lord, Mr. Hale’s maid“ bis „List of other articles stolen not mentioned before“, Records and files of the Quarterly Courts of Essex County, Massachusetts, 1678, archive.org
[8] (Boyer/Nissenbaum, in der UVA-Zusammenfassung)
[9] Salem Witchcraft Papers, Mittimus, salem.lib.virginia.edu
[10] Salem Witchcraft Papers, Deposition, salem.lib.virginia.edu
[11] Edward and Sarah Bishop House, salemwitchmuseum.com

Weiterführende Literatur zu Sarah Bishop:
The Salem Witchcraft Papers
Edward Bishop and Sarah Bishop
The Salem Witch Trials of 1692


Bild: KI