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Sarah Good

Gebar ihr Kind im Kerker

Erstes Opfer der Hexenprozesse in Salem


Die 39-jährige, hochschwangere Obdachlose Sarah Good wurde der Hexerei beschuldigt, verhaftet, im Kerker von Ipswich inhaftiert und gefoltert. Sie gehörte gemeinsam mit Sarah Osborne und Tituba zu den ersten drei Frauen, die in Salem der Hexerei beschuldigt wurden. Sarah trug das schwere Los, nicht nur die Qualen der Haft, der Folter und schließlich ihrer Hinrichtung zu ertragen, sondern auch die körperlichen Schmerzen einer Geburt in schweren Ketten und die seelischen Schmerzen, ihre neugeborene Tochter im Gefängnis in ihren Armen sterben zu sehen während ihre vierjährige Tochter all dies mitansehen musste.

Sarah Good
⛤ 19.07.1692, USA

SALEM VILLAGE
Hoheitsgewalt: englische Krone unter den gemeinsamen Monarchen William III. und Mary II.
Herrschaftsform: Monarchie mit Parlament in England, Kronkolonie/royal province mit vom Königspaar eingesetzter Kolonialregierung
Landesherrschaft: Province of Massachusetts Bay als englische Kolonie unter dem Charter von 1691
Reichszugehörigkeit: –
Reichskreiszugehörigkeit: –
Höchste kirchliche Autorität: die Autorität lag grundsätzlich bei der jeweiligen Ortsgemeinde
Regionale kirchliche Autorität:
Reverend Samuel Parris, Pfarrer von Salem Village, puritanischer Geistlicher
Höchste weltliche Autorität: die Monarchen William III. und Mary II.
Höchste regionale weltliche Autorität: auf Provinzebene der von der Krone eingesetzte Gouverneur Sir William Phips,
High Sheriff George Corwin („Magistrat“), vollzog in den Hexenprozessen Haft- und Hinrichtungsanordnungen, Salem Village war kein eigener Ort, sondern ein Teil von Salem, wesentliche weltliche Zuständigkeiten lagen daher bei Salem Town
Weitere Beteiligte:
Doktor William Griggs
„Friedensrichter“ John Hathorne („Magistrat“)
Deputy Gouverneur Thomas Danforth
Richter Samuel Sewall
Reverend John Hale, Pfarrer von Beverly, puritanischer Geistlicher
Reverend Francis Higginson, Pfarrer von Salem Town, puritanischer Geistlicher
Reverend Nicholas Noyes II, Pfarrer von Salem Town, puritanischer Geistlicher
Thomas Putnam (aktivste Ankläger)
Joseph Putnam (aktiver Ankläger und Verwandter von Thomas und Ann Putnam)
Edward Putnam (aktiver Ankläger und Verwandter von Thomas und Ann Putnam)
Ann Putnam („betroffenes Mädchen“)
Elizabeth Hubbard („betroffenes Mädchen“, sehr häufige Zeugin mit zahlreichen Aussagen gegen Angeklagte)
Mary Walcott („betroffenes Mädchen“, wiederholt als Anklägerin und Zeugin genannt)
Mercy Lewis („betroffenes Mädchen“, besonders aktiv bei schweren Anschuldigungen, auch bei Todesurteilen)
Leutnant und Dorftavernenbesitzer Nathaniel Ingersoll

Sarah Good steht für die Erzählung eines Lebens, das nach einem folgenschweren Schicksalsschlag in einer Vernichtung mündete. Ihr Leben war von Missbrauch, Ignoranz und Verlassenheit geprägt. An ihrem bitteren Ende saß Sarah gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter in einem kalten Verließ, in schwere Ketten gelegt, blutend und mit gebrochenen Knochen, den Leichnam eines Neugeborenen im Arm, unfähig, dem Kind noch eine Geschichte mit Happy zu erzählen. In ihrer schlimmsten Stunde war Sarah mutterseelenallein, ohne einen Menschen an ihrer Seite, der ihr beistand. Selbst ihr eigener Ehemann hatte gegen sie ausgesagt. Sarah hatte nichts verbrochen und war dennoch gezwungen, eine Tortur zu durchleiden, wie sie nicht einmal den schwersten Verbrechern ihrer Zeit auferlegt wurde. Und das ausgerechnet in einer Kolonie, die angetreten war, aus dem vermeintlichen „Land des Teufels“ Neuengland einen Ort puritanischer Frömmigkeit, göttlicher Ordnung und moralischer Reinheit zu formen.

Der Grund, warum gerade sie in Verdacht geriet, lag – wie so oft bei den Opfern von Hexenprozessen – in ihrer sozialen Stellung. Als Obdachlose war Sarah das typische Opfer sozialer Ausgrenzung schlechthin. Es ist gut vorstellbar, dass sie gezielt ausgewählt wurde, weil man sie ohnehin als entbehrlich ansah. Wahrscheinlich gab es in der ganzen Gegend niemanden für dessen Verteidigung sich weniger Interesse hätte wecken lassen.

Dabei begann das Leben von Sarah Good zunächst unter vergleichsweise günstigen Umständen. Wobei der Begriff „günstig“ im Zusammenhang mit Salem relativ zu verstehen ist. Denn in Salem herrschten seit der frühen Besiedelung tiefgreifende soziale Spannungen, moralische Konflikte und eine Atmosphäre der gegenseitigen Feindseligkeit. Von aufrichtiger Frömmigkeit war in dieser englischen Kolonie kaum etwas zu erkennen.

Sarah wurde in Wenham, Massachusetts, als Sarah Solart geboren. Sie war die Tochter des wohlhabenden Tavernenbesitzers John Solart, der mehrere Landparzellen sowie Hausbesitz mit einem sehr hohen Nachlasswert besaß. Als dieser Suizid beging – Sarah war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt – war die Familie erstaunt darüber, dass er kein Testament hinterlassen hatte. Sein Nachlass wurde daher zunächst ausschließlich zwischen Sarahs Mutter und seinen zwei Söhnen aufgeteilt. Sarah ging zunächst gemeinsam mit ihren sieben Schwestern leer aus. Nur drei Monate nach dem Tod ihres Vaters heiratete Sarahs Mutter erneut.

Mit dem Tod ihres Vaters und der benachteiligenden Nachlassregelung stand Sarah plötzlich mittellos da. Im Alter von 17 Jahren ging sie eine Ehe mit einem Knecht ein. Dieser verstarb jedoch, als Sarah 29 Jahre alt war, und hinterließ ihr hohe Schulden. Ihr blieb nichts anderes übrig, als an die Türen in Salem zu klopfen und um Essen und einen Schlafplatz für eine Nacht zu bitten.

Einige Jahre später verpflichtete das Gericht Sarahs Stiefvater, Ezekiel Woodward, dazu, den ihr zustehenden Anteil aus dem Erbe ihres Vaters auszuzahlen. Sarah konnte in diesem Moment hoffen, dass nun doch noch alles gut ausgehen würde. In dieser Phase, in der sie erstmals seit Langem wieder ein Gefühl von Zuversicht verspürte, trat der Endzwanziger und Vagabund William Good in ihr Leben. Der Weber und Tagelöhner witterte mit Sarah seine große Chance. Er war sich ihres Anspruchs auf ein Erbe bewusst und betrachtete die Ehe als möglichen Ausweg aus seiner schwierigen Lage. Also umwarb der Junggeselle die viel zu junge Witwe in der Hoffnung auf einen finanziellen Vorteil.

Sarah erhielt tatsächlich ihren Erbanteil in Form von etwa 7.500 bis 8.500 m2 Wiesenland, doch sah sie sich gezwungen, dieses umgehend zu verkaufen, um die Schulden aus ihrer ersten Ehe zu begleichen. Damit standen Sarah und William genauso mittellos da wie zuvor. Sie hatten kein Geld und keine Bleibe. Zeitweise nahmen Nachbarn Sarah und William bei sich auf, nur um sie nach kurzer Zeit wieder fortzuschicken. Die Familie Abbey, die das Ehepaar vorübergehend aufgenommen hatte, beschrieb Sarah vor Gericht als eine Person, die ständig Streit gesucht hätte. Vermutlich hing diese Einschätzung jedoch damit zusammen, dass die Abbeys davon ausgingen, Sarah werde in ihrem Haushalt die Rolle eines Dienstmädchens übernehmen. Mit dieser Erwartung konnte Sarah, einst aus wohlhabenden Hause, offenbar nur schwer umgehen.

Trotz all der widrigen Umstände brachte Sarah eine Tochter von William zur Welt: Dorothy (Dorcas) Good. Sie sollte vier Jahre später ein mindestens ebenso hartes Schicksal treffen wie ihre Mutter.

Als Obdachlose waren Sarah und William darauf angewiesen, die Bewohner in Salem um ein Zimmer zu bitten. Manchmal versuchten sie auch, sich mithilfe von Williams Gelegenheitsarbeit, die oft nur gegen Kost und Logis entlohnt wurde, zumindest zeitweise eine Unterkunft zu sichern oder ein Zimmer zu mieten, um ihrem Kind für kurze Zeit ein Mindestmaß an Geborgenheit zu bieten. Mehr als das, was William durch solche Arbeiten einbringen konnte, und das, was Sarah durch Bettelei erhielt, stand ihnen nicht zur Verfügung.

Mit 39 Jahren hatte Sarah vermutlich längst den Traum aufgegeben, dass ihr eines Tages Gerechtigkeit widerfahren und sie doch noch einen fairen Anteil am Erbe ihres Vaters erhalten würde. Auch ihr Ehemann, der ungefähr in ihrem Alter war, scheint zu diesem Zeitpunkt jede Hoffnung darauf verloren zu haben, dass sich ihre Lage jemals verbessern könnte. Die Chance, die er sich einst durch die Heirat erhofft hatte, war endgültig zerplatzt. In dieser Zeit, wir schreiben das Jahr 1692, kam es in Salem Village zu einem Vorkommnis, das das Dorf in hehre Unruhe versetzte. Die Tochter und die Nichte des Pfarrers Samuel Parris, Betty Parris und die elfjährige Abigail Williams, fielen in Zustände, die man im Dorf als „Anfälle“ beschrieb. Der Dorfarzt konnte sich dieses Verhalten medizinisch nicht erklären und deutete es schließlich als Einfluss des Teufels. Damit war der Boden bereitet für die Vorstellung, die Mädchen würden von jemandem gezielt gequält. Die Vorgeschichte der Hexenprozesse von Salem kann hier nachgelesen werden.

In weiterer Folge wurden die beiden sogenannten „betroffenen Mädchen“ immer wieder befragt. Schließlich nannten sie drei Frauen als Verursacherinnen: Sarah Good, Sarah Osborne und Tituba. Sie behaupteten, Sarah Good erscheine ihnen als Geist und würde sie quälen. Der Gedanke liegt jedoch nah, dass diese Namen nicht allein aus den Mädchen selbst heraus entstanden, sondern dass Erwachsene sie in diese Richtung lenkten oder ihnen die Namen sogar suggestiv eingaben.

Kurz danach traten einige einflussreiche Dorfbewohner, allen voran Thomas Putnam, als Ankläger gegen Sarah Good und die beiden anderen Frauen auf. Sie beschuldigten Sarah, den „betroffenen Mädchen“ durch Hexerei Schaden zugefügt habe. Sarah, zu diesem Zeitpunkt im 5. Monat schwanger, wurde daraufhin für eine Erstuntersuchung in Nathaniel Ingersolls Dorftaverne festgesetzt. Sie wurde nackt ausgezogen und von Ingersolls Frau auf Hexenmale untersucht.

Kurze Zeit später wurde sie in den Kerker verbracht und in schwere Ketten gelegt[1]. Nur an den Tagen der Verhandlung wurde sie aus dem Verließ geholt und in den Gerichtssaal geführt. Kaum hatte Sarah den Raum betreten, begannen die sogenannten „betroffenen Mädchen“ sofort hin- und herzuschaukeln und zu stöhnen. Man stellte Sarah ihnen gegenüber, und die Mädchen erklärten ihr von Angesicht zu Angesicht, dass sie es sei, die sie als Geist während ihrer Anfälle heimsuche.

Noch während der Verhandlung fiel eines der Mädchen erneut in einen Anfall. Für Sarah dürfte dies der Moment gewesen sein, in dem sie diese inszenierten Zustände erstmals miterlebte. Nachdem der Anfall abgeklungen war, behauptete das Mädchen, Sarah habe sie währenddessen in Gestalt eines Geistes aufgesucht und mit einem Messer bedroht. Dabei, so ihre Aussage, sei das Messer zerbrochen. Um ihre Anschuldigung zu untermauern, zog sie ein abgebrochenes Messerstück aus ihrem Kleid und zeigte es dem Gericht.

Daraufhin erhob sich jedoch ein junger Mann und erklärte, bei dem gezeigten Messerstück handle es sich um sein Messer. Dieses sei bereits am Vortag zerbrochen, und das Mädchen habe den Vorfall miterlebt. Trotz dieser Entlarvung beschränkte sich die Reaktion des Gerichts darauf, dem Mädchen vorzuhalten, sie habe ihre Geschichte übertrieben dargestellt – ohne die Glaubwürdigkeit der Anschuldigung grundsätzlich infrage zu stellen[2].

Sarah wusste, dass die Anschuldigungen nicht der Wahrheit entsprachen, und war dennoch gezwungen, hilflos zuzusehen, wie diese Lügen öffentlich vorgetragen wurden und unmittelbare Folgen für ihr Leben hatten. Den Mädchen wurde mehr Glauben geschenkt als ihr. Sarah wurde nicht einmal eine reale Möglichkeit zur Verteidigung eingeräumt.

Aber es kam noch schlimmer. Beim Prozess sagten nicht nur die Ankläger und die sogenannten „betroffenen Mädchen“ gegen Sarah aus, sondern auch ihr eigener Ehemann. Offenbar betrachtete William diese Situation als eine Möglichkeit, seine Frau loszuwerden, nachdem sich die mit der Ehe verbundenen Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Besserung und ein Erbe nicht erfüllt hatten. Mit etwa 40 war er noch vergleichsweise jung und könnte erwogen haben, noch einmal vollständig neu anzufangen. Dafür musste jedoch seine Ehefrau ihr Leben verlieren. In den Prozessakten ist festgehalten, dass William bei seiner Einvernahme erklärte, auch er halte seine Frau für eine Hexe. Sie sei eine „Feindin alles Guten“. Außerdem hätte er in der Nacht, bevor Sarah in Ingersolls Dorftaverne nach Hexenmalen untersucht wurde, eine „Warze oder Zitze“ unterhalb von Sarahs rechten Schulter entdeckt und fragte sich, ob Goodwife Ingersoll das nicht gesehen hätte, als sie Sarah untersuchte[6]. Ob William Good zu diesem Zeitpunkt wusste, dass seine Frau schwanger war, lässt sich aus den Quellen nicht klären. Fest steht jedoch, dass er genau wusste, dass Hexerei in der Kolonie als Kapitalverbrechen erfasst war, also als Delikt, auf das die Todesstrafe stand. 

Im Mai oder Juni 1692 brachte Sarah im Kerker ein Kind zur Welt[7]. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchen Qualen dieses Mädchen geboren worden sein muss. Das Kind war mit hoher Wahrscheinlichkeit stark unterernährt, da die karge Gefängniskost vermutlich nur aus Wasser und Brot bestand. Hinzu kam, dass das Kind bereits im Mutterleib den körperlichen und seelischen Schmerzen ausgesetzt war, die seine Mutter durch Haft, Misshandlungen und permanente Bedrohung erleiden musste. Dass das Kind unter diesen Umständen überhaupt lebend geboren wurde, obwohl es ab etwa dem fünften Monat in einem geschundenen und gequälten Körper herangewachsen war, grenzt an ein Wunder. So muss es auch Sarah selbst empfunden haben. Sie gab ihrem Mädchen den Namen Mercy – Barmherzigkeit. Mercy verstarb kurz nach ihrer Geburt im Kerker. Sarah wurde kurz darauf, am 19.07.1692 in Salem am Gallows Hill gehenkt.

Nach der Hinrichtung von Sarah Good stellte William Good einen Antrag auf Schadensersatz wegen der „schweren Leiden, die seiner Familie zugefügt worden waren“. Er erhielt eine der höchsten finanziellen Wiedergutmachungen, die im Zusammenhang mit den Hexenprozessen von Salem an Angehörige der Betroffenen ausgezahlt wurden. Ein Jahr nach der Hinrichtung von Sarah heiratete er wieder.

Gegen Sarah Good lag kein einziger tatsächlicher Beweis vor. Der gesamte Prozess stützte sich ausschließlich auf behauptete übersinnliche Wahrnehmungen und subjektive Deutungen. Die Prozessakten verdeutlichen die Unfairness, mit der die untersuchenden Richter Jonathan Corwin und John Hathorne sowie der Kolonialminister Reverend Noyes vorgingen. Sie setzten die Schuld der Angeklagten von vornherein voraus und versuchten sie durch suggestive, lenkende Fragen in ihre Aussagen zu verstricken und gezielt in Widersprüche zu treiben. Danach schrieben sie ruhig und gewissenlos in ihre Akten, dass Sarah bei der Vernehmung „nicht bereit war, das Wort Gott in den Mund zu nehmen“, „Antworten in sehr böser, gehässiger Weise“ gab, „die Autorität mit beleidigenden Worten widerspiegelte“ und „viele Lügen sagte“[3].

„Sarah Good, mit welchem bösen Geist hast du Vertrautheit?“ — „Mit keinem.“
„Hast du keinen Vertrag mit dem Teufel geschlossen?“ — „Nein.“
„Warum schadest du diesen Kindern?“ — „Ich schade ihnen nicht. Das verachte ich.“
„Wen setzt du dann dafür ein, es zu tun“? — „Ich setze niemanden ein.“
„Welches Wesen setzt du dann ein?“ — „Kein Wesen; ich werde falsch beschuldigt.“
„Warum bist du murmelnd aus dem Haus von Mr. Parris weggegangen?“ — „Ich habe nicht gemurmelt, sondern ihm für das gedankt, was er meinem Kind gegeben hat.“
„Hast du keinen Vertrag mit dem Teufel geschlossen?“ — „Nein.“
„Wem dienst du?“ — „Ich diene Gott.“
„Welchem Gott dienst du?“ — „Dem Gott, der Himmel und Erde gemacht hat“[5]
„Salem Village, den 1. März 1692. — Sarah Good bestritt bei der Untersuchung den Tatbestand (nämlich), dass sie jemals Hexerei ausgeübt oder die oben genannten Kinder oder eines von ihnen verletzt habe.“

Ja, Sarah Good steht für die Erzählung eines Lebens, das nach einem folgenschweren Schicksalsschlag in einer Vernichtung mündete. Aber Sarah Goods Leben steht auch für weibliche Kraft. Sie bewahrte inmitten des kollektiven Wahnsinns eine beispiellose geistige Klarheit. Sarah Good verkörpert auch etwas schwer greifbar Zielgerichtetes, das viele Frauen in sich tragen und das Männern Furcht einjagen kann: Als Reverend Noyes Sarah, die auf der Leiter zum Galgen stand, dazu drängte, ein Geständnis abzulegen, da sie „eine Hexe sei und wisse, dass sie eine Hexe sei“, antwortete diese: „Ihr seid ein Lügner! Und ich bin nicht mehr eine Hexe, als Ihr ein Zauberer seid; und wenn Ihr mir das Leben nehmt, wird Gott Euch Blut zu trinken geben.“ Bis heute hält sich unter den Bewohnern von Salem hartnäckig die Überlieferung, dass Reverend Noyes bei seinem Tod tatsächlich an seinem eigenen Blut erstickt ist.

„Bezüglich des ersten Punktes, warum in dem so gebrechlichen Geschlechte der Weiber eine größere Menge Hexen sich findet als unter den Männern. Einige Gelehrte geben diesen Grund an: sie sagen, es gebe dreierlei in der Welt, was im Guten und Bösen kein Maß zu halten weiß: die Zunge, der Geistliche und das Weib.“

Heinrich Kramer, Malleus Maleficarum, 1486


Quellen:
[1] Account for Payment Submitted by John Arnold, Jailkeeper, Salem Witch Trails Documentary Archive, salem.lib.virginia.edu
[2] Sarah Good – wikipedia, englisch
[3] Examination of Sarah Good, as Recorded by Ezekiell Chever, Salem Witch Trails Documentary Archive, salem.lib.virginia.edu
[4] Summary of the Amounts Requested by the Victims and Their Relatives, Salem Witch Trails Documentary Archive, salem.lib.virginia.edu
[5] Salem Witchcraft, Charles W. Upham, Projekt Gutenberg, ii.14, www.gutenberg.org
[6] „william Good saith that the night before his s’d wife was Examined he saw a wart or tett“…, Testimony of William Allen, John Hughes , William Good, and Samuel Braybrook v. Sarah Good, Sarah Osborne, and Tituba, Salem Witch Trails Documentary Archive, salem.lib.virginia.edu
[7] „was pushed back until the birth of her child“…, The Witchcraft Trial of Sarah Good, History of Massachussetts, historyofmassachusetts.org

Weiterführende Literatur zu Sarah Good:
Sarah Good – Salem Witch Trails Documentary Archive
Records and files of the Quarterly Courts of Essex County, Massachusetts – archive.org