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Parfum als kleine Übergangsrituale

Stadthexen haben den Wald nicht gleich vor der Haustür. Auch der Alltag lässt oft keinen Platz für aufwendige Zeremonien. Um den Übergang von der dunklen zur hellen Jahreszeit dennoch zu feiern, genügen aber schon kleine, sinnliche Gesten. Zum Beispiel das Parfum zu wechseln. Auf diese Weise kann jede Hexe die Jahreszeiten unkompliziert voneinander abgrenzen. Ich praktiziere dieses kleine Routinen-Ritual seit Jahrzehnten, und möchte dir hier eine wachsende Liste an Düften präsentieren. Diese Seite wächst stetig und füllt sich mit der Zeit mit meinen persönlichen Duftempfehlungen für die helle und dunkle Jahreszeit.

Dieses Routine-Ritual dient in erster Linie dazu, eine kurze Pause vom Alltag einzulegen, sich der Jahreszeiten bewusst zu werden und sich die bedeutenden heidnischen Feste in Erinnerung zu rufen. Im Kern geht es darum, den Übergang zwischen der hellen und der dunklen Jahreszeit zu markieren. Deine Duft-Routine kannst du – so wie ich – zusätzlich mit zwei wichtigen heidnischen Festtagen verknüpfen: Herbstäquinox und Walpurgis. Auf diese Weise rufst du dir an diesen besonderen Tagen in Erinnerung, dass es sich um Feste handelt, die in heidnischen Gesellschaften einst groß gefeiert wurden. So kannst du ihnen auch heute als Stadthexe einen besonderen Stellenwert verleihen – selbst wenn gerade die Kinder viel Aufmerksamkeit brauchen, der Terminkalender überquillt, der Job dich fordert oder andere Verpflichtungen dich in Anspruch nehmen.

Bei uns zu Hause ist es mittlerweile so, dass sogar mein Mann bei dieser kleinen Familientradition mitmacht. Wenn er zum ersten Mal meinen „Sommerduft“ wahrnimmt, fragt er schmunzelnd: „Ach, haben wir schon Sommer?“ Und sobald er wieder mein „Winterparfum“ riecht, kommentiert er: „Oh, es duftet nach Herbst und nach schönen Tagen mit Kuscheldecke!“ Auch er hat sich inzwischen einen eigenen Sommer- und Winterduft zugelegt und wechselt nun gemeinsam mit mir den Duft, wenn eine neue Saison beginnt.

Die helle Jahreshälfte

Mit der hellen Jahreshälfte meine ich Frühling und Sommer. Den Anfang der hellen Jahreshälfte markiert die Walpurgisnacht zum 1. Mai – ein Datum, das nicht nur in der heidnischen Tradition von besonderer Bedeutung ist, sondern auch im modernen Alltag nach wie vor seinen Platz hat. Es ist der Tag, an dem die Freibäder ihre Tore öffnen und der Maibaum feierlich aufgestellt wird. Dieser Zeitpunkt eignet sich wunderbar, um den „Sommerduft“ hervorzuholen und den Übergang in die warme Jahreszeit bewusst zu zelebrieren. Mit dem Sommerduft nehme nicht nur ich, sondern meine gesamte Umgebung die Leichtigkeit des Sommers, die Vorfreude auf Urlaub, laue Abende im Freien und das Gefühl von neu erweckter Lebenskraft auf.

Wusstest du, dass der Maibaum auf vorchristlich-heidnische Wurzeln zurückgeht? Ursprünglich symbolisierte er den Lebensbaum, der im Frühling aufgerichtet wurde, um die Kraft des wiedererwachenden Lebens und die Fruchtbarkeit der Natur zu feiern. Vermutlich stellte man damals jedoch keinen eigenen Baum auf, wie es heute üblich ist, sondern versammelte sich um einen heiligen Baum auf einer Wiese oder Waldlichtung. Um diesen Baum tanzten vor allem die heiratsfähigen Mädchen – mit oder ohne Bänder – um den Zyklus des Lebens, die Fruchtbarkeit und die Gemeinschaft zu ehren. Ein Hinweis darauf findet sich in der Lebensgeschichte der armen Ottilia Lindauer, einer jungen Frau aus der Schweiz, die der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurde. Überliefert ist, dass auf der Pratteler Matt, einer Wiese, die als alte Kultstätte bekannt ist, noch bis weit ins 17. Jahrhundert hinein Kreise aus verdorrtem Gras rund um Bäume zu sehen waren.

Walpurgis gehört zu den wichtigsten Festen für Hexen und HeidInnen – es ist das Fest des Lebens. Und was könnte das Leben besser verkörpern als die Wärme des Sommers, die Kraft der Sonne, strahlende Gesichter, das Rauschen des Meeres, das Salz auf der Haut und die Verführung durch exotische Düfte?

Monoï de Tahiti von Yves Rocher

Ab der Walpurgisnacht greife ich zu Monoï de Tahiti von Yves Rocher. Für mich ist dieser Duft der Inbegriff von Sommer: weißblumig, mit einer feinen Kokos-Basisnote, die mich sofort an warme Abende und salzige Haut erinnert. Wenn mir nach der langen Dunkelzeit der erste Hauch des Öls in die Nase steigt, bin ich schlagartig wieder bei meinen schönen Urlauben, in denen das Fläschchen stets im Gepäck war. Seit mehreren Jahren gehört der Duft in der warmen Zeit zu mir dazu.

„Monoï de Tahiti“ ist kein Markenname, sondern beschreibt ein traditionelles Schönheitsöl aus Französisch-Polynesien. Es entsteht, indem stark duftende Tiaré-Blüten (Gardenia taitensis, Frangipani) in Kokosnussöl angesetzt werden. Die Blüten müssen von Gardenia taitensis stammen, die Kokosnüsse aus dem Vulkan- und Korallenboden der polynesischen Inseln, und das Ansetzverfahren erfolgt nach definierten Vorgaben. Darum findest du „Monoï Tiaré“ als Bezeichnung bei vielen HerstellerInnen, während „Monoï de Tahiti“ die kontrollierte Herkunft aus Französisch-Polynesien markiert. In der lokalen Tradition gilt Monoï sogar als „heiliges Öl“, das den Körper pflegt und die Sinne weckt – genau diese sonnige, „geweihte“ Schwingung macht den Duft für mein Sommerhalbjahr so stimmig.

Spätestens zum Herbstäquinox verabschiede ich mich vom „Sommerduft“, oftmals jedoch schon mit dem 1. September – je nach Wetterlage.

Yves Rocher bietet den Duft seit Jahren als Öl und als Eau de Toilette an. Das Öl pflegt und duftet hautnah, das Eau de Toilette legt eine zarte Wolke darüber. Benutze aber nicht beides – schon ein einziges dieser Produkte duftet intensiv genug. Die Preise schwanken je nach Aktion; bei mir lag das Eau de Toilette zuletzt bei rund 20 Euro und das Öl bei etwa 13 Euro.

Die dunkle Jahreshälfte

Die dunkle Jahreshälfte umfasst Herbst und Winter. Sie leitet jene Zeit ein, in der die Tage kürzer und kühler und die Nächte länger werden und in der man sich gerne in die Geborgenheit der eigenen vier Wände zurückzieht. Kuschelsocken, eine weiche Decke, der Duft von frisch gebackenem Apfelstrudel und eine Tasse Sahnekakao schaffen dann die perfekte Atmosphäre, um sich mit einem guten Buch einzumurmeln. Für mich persönlich beginnt der Herbst mit der Herbstäquinox, der Tagundnachtgleiche im September. Die Herbstäquinox fällt in der Regel zeitlich auch mit dem kalendarischen Beginn des Herbstes zusammen. An diesem Tag trage ich zum ersten Mal meinen „Winterduft“ auf und lasse so die dunkle Jahreszeit bewusst und feierlich beginnen.

Die Herbstäquinox ist jener Zeitpunkt im Jahr, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Sie fällt in der Regel auf den 22. oder 23. September. Von da an werden die Tage kürzer, die Nächte länger, und die dunkle Jahreshälfte beginnt. Das Erntedankfest (Lugnasadh) liegt zu diesem Zeitpunkt bereits hinter uns, und nun kündigt sich endgültig die kalte Jahreszeit an. Im neuheidnischen Jahreskreis wird dieses Fest auch unter dem Namen Mabon gefeiert.

Meinen „Winterduft“ trage ich bis vor der Walpurgisnacht, an der ich feierlich wieder zu meinem „Sommerparfum“ wechsle. Dadurch begleitet mich das Winterparfum rund zwei Monate länger als der Sommerduft, da die helle Jahreshälfte spürbar kürzer ist als die dunkle.

Alien von Thierry Mugler

Spätestens zum Herbstäquinox – je nachdem, wie lange der Golden Summer in der Stadt noch anhält – beginne ich mit meinem „Winterparfum“. Wenn es kühl ist, dann trage ich es oft auch schon ab dem 1. September. Aktuell liebe ich Alien von Mugler, und zwar die klassische Eau-de-Parfum-Variante, also nicht „Intense“ und nicht „Hypersense“. Das blumige Parfum mit warmer Basisnote fußt auf drei Duftsäulen: leichter Jasmin Sambac, warmes Cashmeranholz und weiße Amber. Mugler beschreibt Alien als „solare Göttin“ – und genau so trägt sich der Duft: auf der einen Seite strahlend-blumig, auf der anderen Seite schwer wie eine Kuscheldecke aus Schnee, die sich auf Blüten legt und sie sanft und beschützend in den Schlaf wiegt.

Der Duft hält extrem lang, und auf Kleidung bleibt die Basisnote oft auch nach Tagen nach wahrnehmbar. Auch jenseits meiner Erfahrung wird die Haltbarkeit von Alien sehr hoch bewertet, und die bekannte Dreifaltigkeit aus Jasmin–Cashmeran–Amber gilt als seine DNA.

Mit diesem Wechsel – Monoï Tiaré in der hellen Jahreshälfte, Alien in der dunklen – feiere ich die Übergänge, ohne große Rituale organisieren zu müssen. Bis kurz vor die Walpurgisnacht begleitet mich Alien durch Kälte, Kerzenlicht und Stadtnebel; dann öffne ich wieder das sommerliche Öl, und der Jahreskreis dreht sich fühlbar weiter.

Neben diesem Routine-Ritual habe ich mir jedoch noch einige andere „kleine Alltagsbrecher“ angewöhnt, von denen ich dir gerne ein anderes Mal erzähle. Wenn du als Stadthexe Lust hast, noch mehr kleine, alltagstaugliche Jahreskreis-Ideen mitzunehmen: In der Rubrik „Stadthexen – Leben im Jahreskreis“ zeige ich, wie ich neben Kerzen und Räucherwerk auch mit Sommer- und Herbstessen arbeite und nehme dich mit in meine Küche – inklusive Rezepte, die vielleicht nach Balkon, Marktstand oder Pommes mit Ketchup – aber ausnahmslos immer nach einem Hauch von Magie duften.


Beitragsbild: KI